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If the ocean dies, we die. Fragen & Antworten.

Wenn der Ozean stirbt, sterben wir. Aber warum?

In diesen Tagen lesen wir diesen Satz sehr häufig. Und immer wieder lese ich Kommentare, in denen Menschen fragen wieso das alles so ist. Deshalb habe ich nun Stunden damit verbracht, dieses sehr komplexe Thema so gut es geht zu recherchieren und versuche Dir nun mal zu erklären, wie unsere Erde in Sachen Sauerstoff so funktioniert, was es mit den Todeszonen in den Ozeanen auf sich hat und warum das alles so aus den Fugen gerät.

Hinweis: der gesamte Prozess übersteigt bei weitem mein Verständnis! Deshalb zeige ich Dir hier eine vereinfachte Version … die komplizierte Version überlasse ich studierten Wissenschaftlern. Wahrscheinlich ist das, was ich hier schreibe, auch nicht 100% wissenschaftlich (!!) korrekt. Ich muss das alles aber auch nicht zu 100% verstehen, für mich reicht es zu wissen was ich tun muss um etwas dagegen zu unternehmen. Es geht hier in erster Linie darum, das Gesamtkonstrukt irgendwie zu verstehen.

Wenn Du keine Lust oder Zeit hat, alles zu lesen – klicke einfach hier, um direkt zu meiner Zusammenfassung zu kommen.

Frage 1: Woraus besteht unsere Atemluft?

Dass, was Du einatmest, ist eigentlich ein Gasgemisch aus 78% Stickstoff, 21% Sauerstoff und 0,04% Kohlenstoffdioxid, der Rest sind sonstige Edelgase. Dass, was Du ausatmest, besteht aus 78% Stickstoff, 17% Sauerstoff, 4% Kohlenstoffdioxid und zu 1% aus Edelgasen. (Quelle)

Merke: Du atmest deutlich mehr Kohlenstoffdioxid aus als Du einatmest.

Kohlenstoffdioxid ist übrigens das gleiche wie Kohlendioxid, also CO2.

Atemluft

Frage 2: Wie kam der Sauerstoff auf unsere Erde?

Ich könnte seitenlang darüber schreiben, versuche aber das mal in deutlich abzukürzen. Wer möchte, kann das gerne im Detail nachlesen – es gibt noch viele weitere Vorgänge und Zwischenschritte in dieser Zeit, die uns aber hier nicht weiter interessieren müssen. Zumindest nicht, um einfach nur den Zusammenhang zu verstehen.

In einem Satz: Bevor es die ersten Menschen gab, war da die Ur-Materie und es kam zu Meteoriteneinschlägen, Vulkanausbrüchen, es regnete mehrere Millionen Jahre lang und am Ende entstanden so die Ozeane. Und so weiter, nicht der Rede wert 🙂

Auf jeden Fall gab es in diesen Ozeanen anfangs kein Leben. Das geschah erst durch das Wunder der Evolution – kleinste Bakterien, woher auch immer die kamen (mir auch egal), die sich u.a. von Kohlendioxid und Wasser “ernähren”, produzierten erstmals Sauerstoff. Na, in der Schule aufgepasst? Man nennt das ganze auch Photosynthese.

Kohlendioxid + Wasser = Sauerstoff und Energie (Glucose)

Erst ein paar Milliarden Jahre später war das Wasser so mit Sauerstoff übersättigt, dass dieser in die Atmosphäre entwich. Und so konnte überhaupt erst Leben entstehen. Zunächst war der Sauerstoffgehalt noch höher als er es heute ist, pendelte sich aber irgendwann auf die heutigen 21% ein. Der Lebensraum, wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich und unser Planet begann zu leben. Die Bäume entwickelten sich übrigens erst später.

Wenn der Ozean stirbt, sterben wir – wie war das nochmal mit der Photosynthese?

Stimmt, da war ja was. Photosynthese bedeutet: Kohlenstoffdioxid + Wasser (+Sonnenlicht) = Sauerstoff und Energie (Glucose)
Und wer ist für diese Photosynthese verantwortlich? Vor allem Pflanzen – sie nehmen das Kohlenstoffdioxid aus dem Wasser auf und produzieren daraus u.a. den für alles Leben so wichtigen Sauerstoff, welchen sie dann wieder freigeben – ins Wasser und in die Atmosphäre. Und solange sie genug Sauerstoff abgeben, funktioniert alles wunderbar.

Algen sind wichtig

Frage 4: Phytoplankton und Zooplankton?

Plankton ist der Ur-Baustein, sozusagen die Quelle allen Lebens. Ohne Phytoplankton funktioniert unser Planet überhaupt nicht.

Phytoplankton heißt wortwörtlich sowas wie Pflanzen-Plankton, während Zooplankton sozusagen ein Tier ist (Fun Fact: auch Quallen sind biologisch gesehen Zooplankton – wusste ich bisher auch nicht). Egal. Da Phytoplankton also eine Pflanze ist, stellt es aus Wasser und Sonnenlicht und Kohlenstoffdioxid (aus dem Wasser) Sauerstoff her. Zusätzlich findet noch ein Gasaustausch des Oberflächenwassers mit der Atmosphäre und innerhalb der einzelne Wasserschichten statt, der übrigens zusätzlich noch durch den ganzen Plastikmüll gestört wird.

Plankton lebt nicht etwa am Meeresgrund, sondern überwiegend in den oberen Wasserschichten, denn nur hier finden sie für ihr Überleben und für die Photosynthese ausreichend vorhanden Dinge wie Sonnenlicht, Stickstoff oder Phosphat. Außerdem braucht das Plankton Eisen zum Leben, welches im Normalfall durch die Meeresströmungen und dem Gasaustausch aus der Tiefsee nach oben getragen wird.

Frage 5: Wie funktioniert das marine Ökosystem? Und wieso gibt es weniger Sauerstoff im Wasser?

Alle Meerestiere brauchen Sauerstoff, die großen Tiere brauchen am meisten. Je weniger Sauerstoff das Wasser hat, desto mehr Tiere verlassen diesen Lebensraum, wenn sie können. Hinzu kommt, dass wir Menschen dem Meer ja auch noch Millionen von Fischen und Krustentieren für die Sushi-Bars, Fischrestaurants oder für Tiefkühl-Seelachsfilet entnehmen.

Stell Dir vor, es gibt eine Zone im Ozean, in welcher der Sauerstoffgehalt aus welchen Gründen auch immer gesunken ist (das geschieht teilweise auf ganz natürliche Weise, wird aber durch den Klimawandel weiter begünstigt).

Ganz oben steht der Hai, dann kommt der Tunfisch. Weil große Tiere viel mehr Sauerstoff brauchen als kleine, wird der Lebensraum für die Raubfische immer feindlicher – er sucht dann logischerweise nach einem Lebensraum, in dem es mehr Sauerstoff für ihn gibt.

Der Tunfisch zieht also weiter. Dadurch vermehren sich seine ehemaligen Beutefische – Heringe zum Beispiel. Im Ergebnis gibt es also ab sofort mehr Heringe.

Mehr Heringe haben mehr Hunger und fressen mehr Krebse. Ergebnis: es gibt immer weniger Krebse.

Wenn es weniger Krebse gibt, vermehrt sich die Nahrung der Krebse: z. B. das Zooplankton.

Und mehr Zooplankton frisst mehr Phytoplankton, um zu überleben.

Wenn es nun aber weniger Phytoplankton gibt, wird auch immer weniger Sauerstoff produziert. Weniger Sauerstoff bedeutet, dass auch die Heringe, die Krebse und letzten Endes das Zooplankton verschwinden, einfach weil es zu wenig Sauerstoff im Wasser gibt und insbesondere weil die Fische schlicht und ergreifend ersticken.

Paradoxerweise verbrauchen die letzten dann noch vorhandenen Mikroorganismen und Bakterien, welche die toten Pflanzen (Algen) und Tiere im Wasser zersetzen, dabei den letzten Sauerstoff. Das Wasser in Berlin ist irgendwann sauerstofffrei.

Eine andere Ursache für Todeszonen können Dünger und Abwässer sein, die wir bspw. in unsere Seen pumpen. Der Dünger düngt die Algen, die Algen vermehren sich. Mehr Algen bedeuten mehr Bakterien, diese entziehen dem Wasser ebenfalls den Sauerstoff – denn während sie damit beschäftigt sind, die Überreste der Algen (die ja irgendwann mal sterben) zu zersetzen, verbrauchen sie den ganzen Sauerstoff. Vielleicht habt ihr schonmal ein Bild gesehen, auf dem Massen von Fischen einfach am Ufer liegen?

Kraftwerk mit Schornstein - wenn der Ozean stirbt, sterben wir

Wenn der Ozean stirbt, sterben wir – was hat der Klimawandel damit zu tun?

Auch wenn Donald Duck (äh Trump) Dir was anderes erzählen will – ich denke wir sind uns einig darüber, dass es den Klimawandel gibt.

Damit wir auch schön Nutella essen können und damit wir noch mehr Nutztiere PRODUZIEREN können,  holzen wir den ganzen Regenwald ab. Wer war neben den Phytoplankton nochmal für die Sauerstoffproduktion zuständig? Ach ja, Bäume. Und auch auch die Bäume entziehen der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid, weil sie mithilfe der Phot0synthese Sauerstoff produzieren.

Und weil vielen Ländern das mit der sauberen Energie ja auch so schwerfällt, pusten wir mit unseren Fabriken und Kraftwerken noch Unmengen an zusätzlichem Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre.

Vereinfacht gesagt steigt das nicht mehr in Sauerstoff verwandelte Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre, zerstört die Ozonschicht, mehr Sonnenstrahlen treffen ungehindert auf die Erde und es wird wärmer – das gilt sowohl für die Luft als auch für das Wasser. Und warmes Wasser hat weniger Sauerstoff als kaltes Wasser – deshalb leben auch folgen große Meerestiere auch meistens den kalten Meeresströmungen, weil das Wasser einfach nährstoffreicher ist und demnach dort mehr Kleinstlebewesen dort leben als in warmen Wasser.

Wenn der Ozean stirbt, sterben wir – was hat es nun mit diesem Satz auf sich?

Hier muss man zwei Faktoren betrachten.

Faktor 1: Zunächst mal gibt es auf dieser Welt ja sehr viele Menschen, für die Fisch kein Genussmittel ist, sondern deren Hauptmahlzeit Fische sind oder die sich nur dann etwas zum Essen kaufen können, wenn Sie die paar Fische, die sie fangen, verkaufen.

Wenn es durch den industriellen Fischfang und durch die Störungen des marinen Ökosystems immer weniger Fische gibt, haben diese Menschen nichts mehr zu essen.

Faktor 2: Etwa 50% des Sauerstoffs unserer Luft stammen aus dem Ozean. Der Rest kommt vom Land – also von Bäumen und Pflanzen in Deinem Vorgarten oder im Wald um die Ecke. Durch die Photosynthese wird der Sauerstoffgehalt unserer Atemluft reguliert.

Wenn wir das Meer zerstören, kommt es seltener zur Photosynthese und damit gibt es weniger Sauerstoff. Erst für die Fische, die sterben zuerst, dann für uns Menschen.

Zusammenfassung

Okay, wir haben gelernt dass der Sauerstoff unseres Planeten in erster Linie durch Photosynthese entsteht, also dem Aufbau organischer aus anorganischen Stoffen mit Hilfe von Licht – dafür vor allem verantwortlich: Pflanzen (vor allem Phytoplankton). Diese Organismen regulieren eine große Teil des Sauerstoffgehalts unserer Erde.

Wenn wir das Phytoplankton vernichten (Japan und Norwegen fangen mittlerweile auch kommerziell Plankton, um daraus Fischnahrung herzustellen) und den Regenwald abholzen – wo soll dann künftig der Sauerstoff herkommen, den wir zum Atmen brauchen, zum Leben?

Dazu ein stark vereinfachtes Beispiel:

Nehmen wir mal an, Du bist allein auf dieser Welt und Deine Luft besteht aus 100 Teilchen. Wie wir ja anfangs gelernt haben, besteht die Luft aus 78 Stickstoffteilchen, 21 Sauerstoffteilchen, 1 Edelgasteilchen und einem super geringem Anteil von Kohlenstoffdioxid (0,04%).

Wenn Du jetzt einmal ein- und ausatmest, entnimmst Du 4 Sauerstoffteilchen (21 rein, 17 raus – siehe oben) und bläst plötzlich 4 CO2-Teilchen aus.

Die Luft besteht jetzt immer noch aus 100 Teilchen, nur das sich die Aufteilung geändert hat. Wir haben jetzt noch 78% Stickstoffteilchen, 17 Sauerstoffteilchen, 1 Edelgasteilchen und plötzlich 4 CO2-Teilchen.

Weißt Du, was Smog ist? Vereinfacht gesagt ist das, was Du gerade produziert hast, Smog. Das Atmen fällt schwer.

Normalerweise gäbe es ja Pflanzen, Bakterien und Algen, dank der Photosynthese nehmen sie das CO2 auf und produzieren daraus wieder neuen Sauerstoff. Da es die aber nicht mehr gibt oder sie immer weniger werden und weil Du, oh Wunder, ja nicht allein auf dieser Welt bist UND weil es ja immer weniger Bäume und weniger Phytoplankton gibt …

Merkste was? 🙂

Und wenn wir nicht alle (wir atmen übrigens alle die gleiche Luft – egal ob in Asien oder in Hamburg) unseren Teil dazu beitragen, dass sich auf diesem Planeten grundlegend was ändert, schaffen wir erst das Meer und dann uns ab. Am Ende ist es tatsächlich so einfach. Das dauert zwar noch viele Jahre, ist aber leider die Wahrheit. Und gefährlich. Für den Fischer in Indonesien genauso wie für Lieschen Müller hier in Deutschland. Für den einen früher, für die andere später.

Wer möchte, kann auch noch diesen Link zu SeaShepherd checken – unser Held Paul Watson geht da u.a. auch noch auf die Rolle der Wale ein …

 

 

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