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Warum weniger Müll produzieren?

Warum Du weniger Müll produzieren solltest. Ein Erklärungsversuch.

Wie kann man andere Menschen davon überzeugen, weniger Müll zu produzieren? Obwohl oder gerade weil man in einem reichen Industrieland wie Deutschland lebt? Und warum sollten wir das überhaupt tun? Sind es nicht vor allem Menschen in anderen Ländern, die das Problem sind?

Kann man andere Menschen tatsächlich nur (noch) mit Fakten davon überzeugen? Oder erreicht man damit eher das Gegenteil? Nach all den Bildern gerade im letzten Jahr, die vielen toten Tiere, Menschen die in ihrem eigenen Müll leben, andere die ihren Müll einfach in den nächsten Fluss kippen oder im Sand vergraben. Nach so einigen Berichterstattungen über unser deutsches Recyclingsystem, den Müll-Export in andere Länder und vielleicht das selbst erlebte Müllproblem im Urlaub an den Stränden dieser Welt?

All das kann doch nicht spurlos an uns vorbei gehen? Es kann doch unser Herz nicht nicht berühren und uns nicht zum Umdenken bringen. Wir alle sind Teil des Problems, solange wir die Schuld immer wo anders suchen und uns hinter unserem ach so tollen Reycling-System verstecken. Ein System, welches uns oft leider zu arroganten Menschen, zu “besseren” Menschen macht. Zumindest glauben das manche Menschen in den reichen Industrieländern.

Haben wir wirklich ein Recht darauf, “unendlich Müll produzieren”? Nur weil wir es auch selbst verwerten könn(T)en? Haben wir ein Recht darauf, so egoistisch zu handeln und uns über andere Menschen, Nationen und Tiere zu erheben? Wirklich?!

Warum denken wir Menschen, dass wir die intelligenteste Spezies auf diesem Planeten sind, obwohl wir doch die Einzigen sind, die ihren eigenen Lebensraum wissentlich zerstören? Denn obwohl wir ganz genau wissen, dass es den Klimawandel gibt, obwohl wir nur zu gut wissen dass es abertausende Menschen gibt, die jeden Tag verhungern, tun wir oft zu wenig. Und wir wissen ja nicht nur das, sondern haben auch alles in der Hand diese Probleme der Menschheit zu lösen, Dinge zu stoppen, Situationen besser zu machen.

Doch WARUM? Diese Fragen stellen wir uns sehr oft. Wir versuchen heute mit ein paar Fakten zu motivieren, warum wir alle doch anders handeln sollten. Nein – weil wir es müssen. Weniger Müll zu produzieren, ist “nur” ein Puzzleteil des Ganzen. Ein durchaus Wichtiges.

Plastikmüll im Meer verursacht Treibhausgase

Klimawandel. Ja ich muss etwas ausholen. Das Wort begleitet uns seit vielen Jahren und sicherlich auch noch für die nächsten Jahrzehnte. Doch Vieles es seit Jahren bekannt. Seit den 1990er Jahren steht es regelmäßig sogar auf der Agenda der Weltpolitik. Es gibt eigene Konferenzen, bei denen es nur um dieses eine Thema geht. Doch der weltweite CO2-Ausstoß ist förmlich explodiert und um über 60 Prozent gestiegen. Finde den Fehler.

Im letzten Jahr gab es einen Sonderbericht des IPCC (hier alles lesen) aus dem hervorgeht, dass wir die
1,5 Grad mehr bereits 2030 erreichen werden und dass die kommenden 10 Jahre wohl die Wichtigsten in der Geschichte der Menschheit werden. JEDER muss sich an die eigene Nase fassen, jeder kann etwas tun, um den Klimawandel abzuschwächen, rein technisch wäre das laut Mojib Latif noch möglich. Wenn Du noch tiefer in dieses Thema einsteigen möchtest, dann hol Dir sein Buch “Globale Erwärmung”.

Latif: Alle gesellschaftlichen Gruppen müssen sich bewegen – auch die Verbraucherinnen und Verbraucher.

“Da muss sich jeder an die eigene Nase fassen und sich fragen lassen: Muss man wirklich immer solche Fleischberge essen? Muss man so einen Geländewagen in der Stadt fahren? Muss man dreimal im Jahr in Urlaub fliegen? All diese Dinge müssen hinterfragt werden. Ich glaube, wir brauchen insgesamt auch eine Wertediskussion in unserer Gesellschaft, um diese Dinge zu hinterfragen.” (Zitat Latif) 

Dazufügen möchten wir noch: muss jede Dienstreise mit dem Flugzeug passieren? Vor allem innerhalb Deutschlands? In unseren Augen sind die Menschen, die ihren Jahresurlaub mit einem Flugzeug antreten, nicht das “große Problem”. Es geht um vermeidbares Fliegen, um sinnloses Fliegen wegen ein paar Minuten Zeitersparnis, nur um Termine einzuhalten. Morgens Düsseldorf, Mittags Frankfurt, Abends wieder Düsseldorf.

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass eine vegane Ernährung der größte Hebel gegen den Klimawandel ist, für eine bessere Welt. Siehe auch die Oxford Studie aus Juni 2018. Erst danach kommt der Transportsektor, mit Flügen, Autos etc. und der Energiesektor. Du hast es sprichwörtlich in der eigenen Hand, einen großen Anteil für die zukünftige Welt zu leisten. Jeden Tag. Mit der Wahl Deiner Ernährung.

Neben CO2 gibt es noch andere Treibhausgase wie Distickstoffmonoxid (Lachgas; N2O), Ozon (O3) und Methan (CH4) sowie industriell hergestellten Fluorkohlenwasserstoff (FKW).

Nun aber zurück zum Thema, warum du weniger Müll produzieren solltest.

Plastikmüll, der sich in der Umwelt und besonders im Wasser befindet, setzt Methangas und Ethylen frei. Besonders eine Gruppe des Kunststoffs setzt besonders viel frei: Polyethylen, der Kunststoff, der in Plastiktüten, anderen Wegwerfprodukten und Flaschen zu finden ist.

Wenn Plastik sich zersetzt, ist es nicht nur eine Gefahr für Lebewesen, sondern auch für unser Klima – auch wenn die Werte an sich geringer sind als andere Faktoren. Dennoch ist es interessant, dass Plastik generell einen nicht unbedeutenden Einfluss auf unser Klima hat. Geschätzte fünf Milliarden Tonnen hat die Menschheit bereits in die Umwelt gebracht, und jedes Jahr kommen weitere hunderte Millionen Tonnen hinzu. Man fand heraus, dass Plastikmüll an der Luft doppelt so viel Methan als im Wasser produziert. Wenn man jetzt mal nachdenkt, wo auf unserem Planeten der meiste Müll inkl. Elektroschrott so liegt – wird einem ganz anders. Mehr dazu gibt es in diesem Beitrag.

Nur 9% des Mülls wurden weltweit bisher recycelt

Vor ungefähr 70 Jahren begann unser Plastikzeitalter. Kunststoffe wurden zum Massen- und vor allem zum Wegwerfprodukt. Etwa 8,3 Mrd. Tonnen wurden seither produziert – nach meist kurzer Verwendung lagert der größte Teil (79%) davon auf Deponien oder in der Umwelt (Quelle: Roland Geyer von der University of California). Laut den Forschern fielen bis zum Jahr 2015 6,3 Milliarden Tonnen Plastikmüll an und nur neun Prozent wurden wieder verwertet. Zwölf Prozent wurden verbrannt und 79 Prozent landeten auf Deponien oder in der Umwelt.

Wir in Deutschland sind Müll-Weltmeister

Der tägliche Plastikabfall pro Kopf in Kuwait, Guyana, Deutschland, den Niederlanden, Irland, den Vereinigten Staaten – ist mehr als zehnmal höher als in vielen Ländern wie Indien, Tansania , Mosambik und Bangladesch. Diese Zahlen stellen die gesamte Erzeugung von Kunststoffabfällen dar und berücksichtigen nicht die Unterschiede in der Abfallbewirtschaftung, beim Recycling oder bei der Verbrennung. Es geht dabei nicht um Kunststoffmengen, wo eine Gefahr besteht, dass sie in den Ozean oder andere Gewässer “entsorgt” werden.

Mit der größten Bevölkerungszahl produzierte China mit fast 60 Millionen Tonnen die größte Kunststoffmenge. Es folgten die Vereinigten Staaten mit 38 Millionen, Deutschland mit 14,5 Millionen und Brasilien mit 12 Millionen Tonnen.

 

Recycling ist wichtig, aber nicht das Allheilmittel

In erster Linie sollte es uns darum gehen, weniger Müll zu produzieren. Den übriggebliebenen Müll müssen wir dann richtig trennen und wieder verwerten. Denn es macht einen Unterschied. Wenn wir jetzt “trotzig” werden und der Meinung sind: “Das alles hat keinen Sinn, ich kippe ab sofort alles in einen Mülleimer”  – dann ist das unserer Meinung nach der falsche Weg. Denn Deponien und Recycling-Sammlungen werden nicht miteinander vermischt. Wenn alles in den Restmüll geschmissen würde, landet alles entweder auf der Deponie oder wird verbrannt. Wer weiß das schon so genau?!

Es ist wichtig, darauf zu achten, was man recycelt. Nicht recycelbare Kunststoffe können zu einer Verunreinigung der Versorgung führen. Obwohl in vielen Anlagen automatisierte und/oder manuelle Verfahren zum Entfernen von nicht recycelbarem Material vorhanden sind, sind sie nicht immer zu 100 Prozent effektiv. Wenn die Ladungen von Abfällen eine erhebliche Menge nicht wiederverwertbarer Stoffe enthalten, werden sie möglicherweise von den Anlagen als nicht wirtschaftlich eingestuft. Gleiches gilt für Lebensmittel oder flüssigen Abfall.

Deutscher Müll im Ausland

Obwohl unsere Recyclingquote eine Lüge ist, unser Land viel Müll verbrennt (thermisches Recycling) und ins Ausland exportiert – weil es A günstiger ist und B man auch noch Geld verdient, scheint es egal zu sein ob das Land, welches unseren Müll abkauft, überhaupt dazu in der Lage ist, diesen auf die beste Weise zu verwerten und zu garantieren, dass er eben nicht in die Umwelt gelangt, Menschen oder Tiere gefährdet. Natürlich gehören immer zwei dazu – auch die Menschen die den Müll kaufen, tragen eine Mitschuld.

Bis China Anfang 2018 die Schotten dicht gemacht hat. Wir haben darüber im letzten Jahr berichtet (hier nachlesen. Im letzten Jahr gingen dann 100.000 Tonnen deutscher Müll einfach nach Malaysia! ;( . Wir können also nie wissen, wo unser Deutscher Müll “entsorgt” wird. Daher Müll vermeiden steht an 1. Stelle.

 

Aber eine Plastiktüte ist doch umweltfreundlicher/ressourcenschonender als eine Tüte aus Papier oder Baumwolle!

Ähm … nein. Einfach nein. Wenn Du jedoch (eine) Mehrwegtüte(e) aus Plastik hast – nutze diese solange es möglich ist.

 

Was kann ich alleine schon ändern? Eine ganze Menge!

Es geht nicht darum, alles aus Kunststoff aus deinem Leben zu verbannen. Aber Anfangen wäre eine super Option :).

Beginne damit, alle Formen von Einweg-Plastik zu vermeiden. Wenn man einzelne Produkte durch langlebige, nachhaltige Produkte ersetzen kann, dann tue es. Bitte bedenke auch, dass noch vollfunktionsfähige Gegenstände auch weiterhin genutzt werden sollten bis sie kaputt gehen. Wenn Du beispielsweise ständig Alternativen zu Einweg-Plastiktüten kaufst, erhöhst Du wahrscheinlich die Umweltauswirkungen auf andere Weise. Müll sammeln, an CleanUps teilnehmen. Vielleicht möchtest Du auch Teil der Plastikrebell-Strömung werden?

Richtig recyceln, Dinge upcyceln, Gegenstände reparieren statt wegschmeißen. Noch mehr handfeste Tipps? Dann lese diesen Beitrag: https://ozeankind-shop.de/plastikmuell-was-kann-ich-tun/ 

Auch wenn diese ganzen Fakten ein bisschen auf die Stimmung drücken. Wir sind voller Optimismus … und ehrlich gesagt … was wäre auch die Alternative? Nichts tun?! Wohl kaum.

Wir alle wollen auch noch nach 2030 gut auf diesem Planeten leben, genauso wie alle Generationen nach uns ein Recht auf dieses Zuhause haben. Lasst es uns gemeinsam anpacken. Wie zu Beginn erwähnt, die kommenden zehn Jahre sind wohl die Wichtigsten in der Weltgeschichte. Eigentlich doch cool – wir können alle selbst zu Superhelden werden … für uns selbst und vor allem für unsere Kinder und Enkel. 😀

Lasst uns ein Teil der Lösung sein – nicht des Problems.

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