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Walbeobachtung im Mittelmeer

Unsere Walbeobachtung vor der Küste Spaniens – die Straße von Gibraltar.

Wale sind schon sehr faszinierende Wesen, oder? Da wird man wieder zum Kind, sobald sie auftauchen. Uns geht es zumindest jedes Mal so, wenn wir Wale sehen. Da reicht schon eine tolle Dokumentation. Noch viel besser ist es natürlich diesen Riesen im Wasser zu begegnen. Das ist in der Tat einer meiner größten Träume: Mit einem Buckelwal gleichzeitig im Wasser zu sein. Bis es soweit ist, gehen wir mal wieder an Board einer Walbeobachtung.

Für uns ist es nicht das erste Mal. 2014 sind wir vor der Vesteralen (Nordnorwegen) auf eine Walsafari gegangen und hatten super viel Glück an diesem Tag. Neben den Pottwalen, haben wir sehr viele Grindwale und auch Orcas gesehen. Schon damals war uns wichtig wie Touristen den Walen näher kommen können. Aus dem Grund hatten wir uns für Hvalsafari entschieden.

Dieser Blogeintrag ist in Kooperation mit firmm entstanden und enthält Werbung. Doch jetzt, im Juni 2018, sind wir im Süden von Europa, genauer gesagt in Andalusien unterwegs und die Straße von Gibraltar liegt vor der Tür. Es ist ein Top Spot für eine Walbeobachtung. Also rauf aufs Boot von der Stifung firmm.

Warum gerade hier, in der Straße von Gibraltar?

In dieser Meerenge treffen zwei Ozeane aufeinander: der Atlantik und eben das Mittelmeer. An der Schwelle dieser Meerenge steigt nährstoffreiches Tiefenwasser aus dem Mittelmeer nach oben und vermischt sich teilweise mit dem aus dem Atlantik einströmenden Wasser. Es herrscht also ein großes Nahrungsangebot für Wale und Delfine.

Ganzjährig kann man hier sehr viele Wale antreffen. Von den Großen: Pottwal, Finnwal, Orca bis zum Grindwal. Aber auch die Delfine begleiten manchmal die Boote auf der Walbeobachtung. Die Stiftung firmm hat ein schönes Poster erstellt, auf der Du noch zusätzliche Infos und ein Gefühl für die Größen dieser Tiere bekommst.

Was man auf der Tour auch zu sehen bekommt, sind eine Menge an Containerschiffen. Die Straße von Gibraltar ist einer der meist befahrenen Wasserstraßen der Welt, die täglich von ca. 300 Handelsschiffen durchfahren wird.

Die Gefahren für Wale und Delfine

Bei so vielen Frachtern gibt es so einige Gefahren. Und das täglich. Die Tiere kommen oft mit Schiffsschrauben in Berührung. Beim Auftauchen verletzten sie sich in Schrauben oder werden schlichtweg von den Riesen Schiffen gerammt. Das endet nicht selten tödlich. Frachtschiffe sind besonders gefährlich für Pottwale und Finnwale, die viel langsamer sind und sich nicht so schnell bewegen als Delfine.

Lärm unter Wasser

Die Meerenge von Gibraltar ist eine der lautesten Unterwasser-Gebiete auf unserem Planeten. Wie Du vielleicht weißt, werden Töne und Lärm unter Wasser fünf Mal schneller weitergetrieben als in der Luft. Für die Meeressäuger besteht die Gefahr, dass das Trommelfell platzt oder eine Gehirnblutung entsteht. Durch diese Lärmverschmutzung kann es auch zum Verlust der Orientierung kommen: Wale stranden.

Überfischung

Wir Menschen fischen den Tieren die Nahrung weg. Das Mittelmeer ist zu 82% überfischt. Überfischung besteht, wenn in einem Gebiet dauerhaft mehr Fische gefangen werden, als auf natürliche Art Nachkommen erzeugt und anwachsen können.

Zu diesem Thema haben wir einige Beiträge geschrieben, wenn Du weiterlesen möchtest:

Überfischung – ein großes Problem für uns alle oder Nachhaltiger Fischfang – wir essen keinen Fisch mehr

Vor allem der Thunfischfang aus dem Mittelmeer ist bei Japanern und Koreanern beliebt. Jedes Jahr kommen so mehrere tausend Tonnen direkt nach Asien.

Verschmutzung durch Chemikalien und Plastikmüll

Nur wenige Kilometer entfernt vom Felsen von Gibraltar, ist der  größte und wichtigste Containerhafen Spaniens, vielleicht auch einer der wichtigsten der Welt. Das Meer ist hier sehr stark mit Öl und Petrol verschmutzt, da die Schiffe dort auch auftanken. Zudem ist das Risiko größer, dass Schiffe kollidieren und Ladungen ins Meer fallen.

Europa ist nach China der zweitgrößte Plastikproduzent der Welt. Wir „entsorgen“ jedes Jahr 150.000 bis 500.000 Tonnen Makroplastik und 70.000 bis 130.000 Tonnen Mikroplastik im Meer. Somit tragen wir Europäer auch einen großen Anteil zur globalen Plastikmüll-Problem bei.

Nachhaltige Walbeobachtung mit der Stiftung firmm

Wir wurden von der Stiftung firmm eingeladen eine Walbeobachtung mit Ihnen durchzuführen. Unsere Meinung ist dadurch in keinster Weise beeinflusst worden.

Die Schweizer Stiftung gibt es seit 1998 und wurde von Katharina Heyer gegründet. Ihre Geschichte ist ähnlich zu unserer. Sie gibt 1997 ihren bisherigen Beruf als erfolgreiche, freie Designerin auf, im Urlaub lernt sie Europas Wal und Delfinschützer kennen. Da sie selbst gern taucht und erfährt wie viele Tiere es vor Südspanien gibt und wie sehr gefährdet sie sind, entschließt sie sich firmm (foundation for information and research on marine mammals) zu gründen und erfahrene Meeresbiologen einzustellen (1998).

Von Anfang an setzt Katharina auf Information und Sensibilisierung: „Menschen sind bereit, Tiere zu schützen, wenn sie viel über sie erfahren, sie in Freiheit erleben und lieben lernen.“ Aufklärung, so die Schweizerin, sei dringend notwendig; nur wenige wüssten, wie es tatsächlich um die Ozeane und ihre Bewohner stehe.

Wir haben Brigitte (von der firmm) einige Fragen stellen dürfen:

1.Erzähle uns doch ein bisschen was über Eure Arbeit. Was macht Ihr, wofür setzt Ihr Euch ein? Und was ist das besondere an der Straße von Gibraltar?

firmm ist eine nicht-profitorientierte Stiftung. Der Name bedeutet foundation for information and research on marine mammals. Darin stecken schon unsere zwei Ziele. Informations,- und Sensibilisierungsarbeit, plus Forschung. Uns ist wichtig, dass die Personen die mit uns zum Whale-Watchen rausfahren etwas über die Tiere lernen und auch über Umweltprobleme. Unser Motto ist:  „Nur was wir Menschen kennen und lieben, sind wir bereit zu schützen“ Bei jeder Fahrt nehmen wir außerdem Daten auf. Wir wollen wissen, welche Tiere wir wo und wann sehen, wie sie sich verhalten und wie sich die Gruppen aus erwachsenen, jungen und neugeborenen Tieren zusammensetzen.

Die Straße von Gibraltar ist ein ganz besonderer Ort. Hier treffen zwei Kontinente, Afrika und Europa, und zwei Meere, der Atlantik und das Mittelmeer aufeinander. Aufgrund des hohen Nahrungsangebotes gibt es sieben verschiedene Arten von Meeressäugern in großer Anzahl, sowohl das ganze Jahr als auch zu bestimmten Zeiten, zu beobachten. Das hohe Nahrungsangebot kommt durch die speziellen geographischen Voraussetzungen in der Straße von Gibraltar und den daraus resultierenden Strömungsverhältnissen zu Stande. 

2. 2017 haben wir auf Sansibar eine Delfintour gemacht, um zu dokumentieren dass der menschliche Wunsch nach Nähe zu diesen wundervollen Tieren den Delfinen eigentlich nur schadet. Mit einem schrecklichen Ergebnis. Was tut Ihr, damit „Eure“ Delfine und Wale in ihrem Zuhause nicht gestört werden?

Bei uns findet Whale Watching immer in einer respektvollen Weise statt. firmm hat bei den zuständigen Behörden in Madrid den Entwurf eines Dekrets zur Regelung des Whale Watchings vorgelegt.  Seit 2007 regelt ein königliches Dekret diese Tätigkeit in allen Hoheitsgewässern Spaniens. Bei uns wird der Mindestabstand von 60 Metern eingehalten, unsere Kapitäne sind dafür ausgebildet sich den Tieren mit größter Sorgfalt anzunähern.

Alle Regeln des respektvollen Beobachtens werden eingehalten: keine Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Tiere, Annäherung niemals von vorne, von hinten oder senkrecht zur Schwimmbahn, konstante Geschwindigkeit etc. Wir haben 2016 ein größeres Schiff gekauft. Damit können wir mehr Leute rausfahren, reduzieren also damit die Anzahl der notwendigen Ausfahrten, was auch wieder den Tieren zugutekommt.      

3. Wale und Delfine gehören für uns zu den schönsten Tieren dieser Welt. Deshalb ist die Vorstellung, dass diese Tiere unter menschlichem Plastikmüll leiden, absolut grauenhaft. Aber inwiefern leiden sie eigentlich darunter – in der Straße von Gibraltar?

Also inwieweit sie jetzt genau hier in der Straße von Gibraltar leiden ist schwer zu sagen. Neben den fünf existierenden großen „Garbage Patches“ kann das Mittelmeer aber bereits als der sechste bezeichnet werden.

Obwohl es nur rund ein Prozent des Wassers auf der Erde enthält, finden sich Hochrechnungen zufolge darin sieben Prozent des weltweiten Mikroplastiks. Die Konzentration dieser Kunststoffpartikel ist im Mittelmeer fast viermal so hoch wie die des „Plastikwirbels“ im nördlichen Pazifik. Sie liegt bei bis zu 1,25 Millionen Fragmenten pro Quadratkilometer. Mehr Menschen müssen sich bewusst werden, dass wir am Ende der Nahrungskette (genauso wie Wale und Delfine) stehen und wir deshalb das von uns achtlos weggeworfene Plastik wieder zu uns nehmen, wenn wir Fische und anderes Meeresgetier verzehren. 18 Prozent der Thunfische und Schwertfische haben bereits Plastik im Magen. (Quelle: FAZ – 08/06/18). Da Plastik sehr weit an den Anfang des Nahrungsnetzes gelangt, akkumuliert es sich natürlich nach oben hin zunehmend.

Im Februar 2018 ist in der Nähe von Murcia ein junger Pottwal gestrandet, der 29kg Plastik im Magen hatte. Das Plastik verstopfte ihm regelrecht den Magen und so wog er bei einer Länge von 10 Metern nur etwa 5900kg. Im Vergleich kann ein ausgewachsener Pottwal (etwa 18 Meter)  bis zu 50 Tonnen schwer werden.

4. Geisternetze sind ja bekanntlich ebenfalls eine riesige Gefahr für alle Meeressäuger. Wieso verfangen sich die Tiere überhaupt in Geisternetzen? Und wieviele Netze oder tote Tiere findet Ihr in der Straße von Gibraltar?

Gemäß der Welternährungsorganisation landen alleine in den europäischen Meeren etwa 1.250 Kilometer Fischernetze als Geisternetze im Meer. Sie treiben herum oder haben sich am Meeresgrund verfangen und fischen so einfach unbeaufsichtigt weiter. Sich darin befindende Fische locken zudem größere Meeresbewohner an, die sich dann darin verheddern. Einfach ausgedrückt kann man sagen, sie sind tödliche Fallen für Meeresbewohner. Verloren gegangene Treibnetze, die bis zu hundert Kilometer lang sein können, treiben als „Wand des Todes“ durchs Meer. Treibnetzfischerei ist zwar offiziell verboten, wird aber illegal noch immer praktiziert.

Es kommt vor, dass marokkanische Treibnetze in der Straße von Gibraltar zu Geisternetzen werden, wir haben das eine oder andere Stück aus dem Wasser gefischt. Es gibt immer wieder tote gestrandete Tiere mit Netzspuren. 2016 hat eine Orca Kuh eine Brustflosse und ihr Baby verloren, vermutlich bei einem Unfall mit einem marokkanischen Treibnetz.

5. Wenn Du eine Sache, eine Situation oder eine menschliche Gewohnheit sofort ändern könntest, die Deine ganz persönliche Welt im Hinblick auf die Rettung der Ozeane verbessern würde – was wäre das?

Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Abstand von der „Wegwerf-Gesellschaft“ nehmen und sich mehr Menschen bewusst werden was Plastik in unseren Ozeanen anrichtet. Die Gewohnheit vieler Menschen aus Bequemlichkeit auf Plastikteller, -becher, -besteck usw. zurückzugreifen, würde ich sofort ändern. Genauso die „Faulheit“ vieler ohne eigene Einkaufstüten einkaufen zu gehen und diese Angewohnheit im Supermarkt Früchte vor dem Abwiegen in eine kleine Plastiktüte zu packen. Ein Preisaufkleber lässt sich auch genauso gut auf eine Tomate oder eine Bananenschale kleben.

Ein Getränk schmeckt genauso gut ohne Strohhalm und beim Einkaufen lässt sich durch bewusstes Aussuchen der Produkte auch viel Mikroplastik vermeiden (da es ja auch in vielen Kosmetikprodukten enthalten ist). Da würde ich mir ein Umdenken wirklich wünschen und ein bisschen mehr Bewusstsein, dass wir als Konsumenten auch Verantwortung tragen. Wir alle sind vom Ozean abhängig, jeden zweiten Atemzug verdanken wir dem Meer. Also ist es unser aller Pflicht das Meer (und die Umwelt generell) zu schützen.

Unser Fazit

Es hat uns super gut gefallen, der Gesamteindruck von der Waltbeobachtung selbst ist auch klasse. Eine nachhaltige Walbeobachtung mit vielen Informationen in verschiedenen Sprachen, sowohl an Board als auch bei der Info-Veranstaltung nach der Tour. An diesem Nachmittag haben wir viele Grindwale und einige Delfine sehen können. Die großen Jungs (Pottwale) wollten sich uns nicht zeigen. Die beste Chance um Orcas zu sehen, ist übrigens ab Juli.

 

 

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