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Der Sinn von Plastiktüten

Kann mir jemand den Sinn von Plastiktüten erklären?

Früher, als wir klein waren und noch zur Grundschule gegangen sind, war der Begriff „Umweltverschmutzer“ ein Schimpfwort. Dagegen hat man sich gewehrt. Man wollte kein Umweltverschmutzer sein, genauso wenig wie man ein Arschloch sein wollte. Heute ist Umweltverschmutzer leider kein Schimpfwort mehr und niemand sagt etwas, wenn wir an der Supermarktkasse unsere drei Artikel in die 20 Cent-Plastiktüte packen. Dabei ist es das gleiche Prinzip. Aber kann uns bitte jemand erklären, was die Geschäfte in Deutschland davon abhält, diese verdammten Plastiktüten endgültig und vollständig aus den Geschäften zu verbannen? Kann uns mal jemand den Sinn von Plastiktüten erklären?

Sehr viele Länder haben sie bereits abgeschafft, die Plastiktüte. Warum schafft Deutschland das nicht? Und was bewegt die Menschen, die für ein Toastbrot und einmal Dosen-Ravioli eine Plastiktüte kaufen? Und sind die Clever-Bürger, die stattdessen 13 kleine Obsttüten für 13 Produkte benutzen wirklich so clever?

Warum schaffen wir diese Dinger nicht einfach deutschlandweit ab? ALLE Einmal-Plastiktüten. Ich verstehe es nicht.
Ich habe unzählige Berichte und Meinungen dazu angeschaut und gelesen. Es scheint zwei Probleme zu geben:

Problem 1 – die Tankstellenlobby, Bäckerlobby, Supermarktlobby, Apothekenlobby, … ist doch alles BULLSHIT

Angenommen, Du möchtest Dir ein Tunfisch-Sandwich machen und gehst in den Supermarkt. Die Einkaufsliste besteht also aus Tunfisch, Toastbrot, Gurke, Remoulade und einem Eisberg-Salat.

Tunfisch – in der Dose … Toastbrot – in der Plastiktüte … Bio-Gurke – in Plastik eingeschweisst (eingeschweisstes Bio-Obst und Bio-Gemüse, auch anderes Thema, später hier dazu mehr) … Eisberg-Salat – in Plastik eingepackt … Remoulade – im TetraPak

Und wenn Du Dir jetzt noch an der Kasse eine Tüte für 20 Cent kaufst … dann hast Du ein Tunfisch-Sandwich gegessen und ganz nebenbei Deinen Teil dazu beigetragen, das Meer noch ein bisschen mehr zu verschmutzen. Und wessen Schuld ist das nun? Deine? Die der Lobbyisten? Unsere?

Die einen sagen „man habe sie noch nicht angesprochen“ (auf die Vermeidung von Plastiktüten), die anderen sagen „man sehe darin für seine Mitglieder keine Vorteile“ und anderen sind ÜBERZEUGT (!!!) das „5-20 Cent pro Tüte ausreichen würden.“

Wisst Ihr was, liebe Lobbyisten? Man muss euch verdammt nochmal nicht darauf ansprechen, Eure Mitglieder müssen deshalb auch keine Vorteile haben und eine Tüte müsste, wenn man sie denn unbedingt anbieten möchte, mehrere Euro kosten. Ihr müsst Euch einfach mal der Verantwortung bewusst sein – es geht nicht um Euch, um Eure Mitglieder, um Geld – es geht darum, dass Ihr doch ganz sicher auch den Kindern eurer Kinder das Meer MIT Fischen oder Schildkröten zeigen möchtet. Es geht darum dass ihr alle verstehen müsst, dass wenn wir so weiter machen, der Ozean stirbt. Punkt. Ende. Aus. Und wenn das passiert, sterbt Ihr auch. Blöd, und am schlimmsten ist: Wir auch.

Plastiktüten

Problem 2 – der Mensch an sich und seine Gewohnheiten

Hallo, Ozean an Menschheit … bitte aufwachen …! Was versteht ihr nicht?
Du kannst Dich nicht auf der einen Seite darüber beschweren, dass an Deinem Urlaubsort soviel Müll herumliegt, wenn Du Dir auf der anderen Seite zuhause deine Kopfschmerztabletten oder Deine Chipstüte in eine Plastiktüte packst oder packen lässt. Jackentasche, Stoffbeutel, Rucksack, einfach ohne alles?

Du kannst Dich nicht darüber beschweren dass Plastiktüten nun Geld kosten, wenn Du auf der anderen Seite den Fehler gemacht hast und halt einfach keinen Korb oder keinen Stoffbeutel eingepackt hast. Und ja, es ist ein Fehler – weil es einfach dumm ist.

Gewohnheiten und daraus abgeleitete Argumente wie „das habe ich schon 50 Jahre so gemacht“ oder „das war immer okay so“ können hier überhaupt nicht gelten.

Die Antwort darauf ist ganz einfach: dass es sich ab jetzt ändern muss und dass es jetzt halt einfach nicht mehr okay ist. Punkt.
Bahnfahren ist auch nicht mehr umsonst oder kostet 10 Pfennig und normale Glühbirnen gibt es auch nicht mehr. Schiefertafeln sind auch nicht mehr in Gebrauch, stattdessen gibt es nun Smartphones. Hat auch geklappt.

Strandmüll

Am Ende ist es aus unserer Sicht ganz einfach – sowohl für uns Konsumenten als auch für Euch Lobbyisten. Ganz einfacher Plan – dauert drei Monate in der Umsetzung.

Unser Vorschlag

Leider noch Fiktion, aber Achtung, ist einfach und macht Sinn. Es besteht also die Gefahr dass sich dadurch etwas verändern könnte. Nur hat leider mal wieder niemand genug Mumm sowas mal zu machen. Müsste ja auch durch 23 Gremien und dann könnte die Bullshit-Lobby noch Bedenken anmelden, so dass es auf 2023 vertagt wird.

Erst einmal erhält jeder Haushalt einen Jutesack inkl. mehrsprachiger Information warum wieso weshalb. Die Verteilung könnte über ja die Post realisiert werden, schliesslich schaffen die es auch, mir jeden Samstag in Plastik eingeschweisste WERBUNG zu bringen.

Innerhalb der ersten drei Monate könnten Menschen in jedem Geschäft auch zusätzliche Stoffbeutel kaufen – für den Preis einer heutigen Plastiktüte. Denn die Stoffbeutel müssen nicht teurer sein als Plastiktüten, sondern billiger!!!

Zunächst kosten die Plastiktüten 1 Euro (ja, auch die kleinen Tütchen aus der Obst- und Gemüseabteilung oder die Tütchen in der Apotheke), dann einen Monat später 5 Euro, im dritten Monat 10 Euro. Und dann nehmt sie doch einfach aus dem Programm. Gibt es nicht mehr, fertig. Spätestens im dritten Monat überlegt sich JEDER (egal ob 15 oder 85 Jahre alt), den Jutesack oder eine Alternative mitzunehmen.

Die meisten Menschen reagieren halt leider nur auf Verbote und/oder wenn es um ihr Geld geht.

Und wenn der Umsatz aus dem dreimonatigen Verkauf von Plastiktüten dann noch für den Ozean gespendet wird, wäre das Champions League.

Wo ich das gerade schreibe … „Verkauf von Plastiktüten“.
Zieht Euch das mal rein, Menschen KAUFEN eine Plastiktüte um damit Dinge von A nach B zu transportieren. Wir bezahlen Geld dafür!!! Für etwas das wir kurze Zeit später in den Müll schmeissen.

Am Ende noch eine Nachricht an den jungen Mann letztens an der Netto-Kasse … eine Tüte Chips und eine Schachtel Zigaretten in eine Plastiktüte für 20 Cent zu packen und diese dann in Deinen LEEREN Rucksack zu stopfen. Für Dich gilt das, was ich eingangs geschrieben habe, das mit dem „Vollhorst“ und so.

Und was kannst Du tun?

Am besten streichst Du das Wort “Plastiktüte” einfach aus Deinen Gedächtnis. Diese Dinger sind einfach unfassbar unnötig.

Wenn Du einkaufen gehst – ach Quatsch – generell … nimm doch einfach mal einen Beutel mit. Das können 15-jährige Jungs und Mädels genauso gut wie 80-jährige Omis und Opis.
Und wenn Du ihn vergisst, kein Problem, heutzutage kann man fast an jeder Kasse einen Beutel kaufen – und mal ehrlich, ob Du nun 20 Cent für eine Plastiktüte ausgibst oder 40 Cent für einen Jute-Beutel, ich finde das könntest Du schon schultern. Und wenn nicht, nimm halt einfach das nächste Mal einen Beutel mit.

Man kann einen kleinen Einkauf übrigens auch ohne Tüte oder Beutel transportieren, hab ich selbst probiert, funktioniert tatsächlich überraschend gut.

Geile Aktion: fragt Euren Nachbarn an der Kasse mal höflich, wieso er nun für seine Chipsletten und die Packung Marlboro eine Tüte kauft – die Menschen sind verdutzt und manche lassen die Beutel sogar daraufhin liegen. Und wenn ein Jutesack teurer ist und Euer Kassennachbar beschwert sich genau darüber, WENN Du es Dir leisten kannst, gib ihm die Differenz dazu. Die Reaktion der Menschen ist phänomenal – vielen ist es peinlich 🙂 Probiert es mal aus.

 

 

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