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Ozeankind-Interview mit Robert Marc Lehmann – zweiter Teil

Roberts Haltung zu Fischen in einem Aquarium und welche Alternativen es gibt.

Im ersten Teil unseres Gespräches mit dem Abenteurer, Meeresbiologe, Forschungstaucher, Fotograf und Filmemacher Robert Marc Lehmann haben wir ja bereits gelernt, dass die Nemos und Dories dieser Welt in großer Gefahr sind, dass es kein internationales Zuchtprogramm für Haie und auch nicht wirklich für sonstige Salzwasserfische gibt und wie die ganzen bunten Fische ins Salzwasser-Aquarium kommen.

Hier gehts nochmal zum ersten Teil 

Im zweiten Teil geht es darum, was denn eigentlich eine artgerechte Haltung ist, warum das Konzept von Aquarien äußerst fragwürdig ist und was Robert so macht wenn er nicht gerade in der Weltgeschichte forscht

Am Ende ist eine artgerechte Haltung von Meeresbewohnern ausschließlich im Ozean möglich und nicht im Aquarium

Was ist denn artgerecht? Artgerecht ist am Ende nur die Freiheit. Egal ob Dorie, Haie oder Wale – diese Tiere schwimmen hunderte und tausende Kilometer in ihrem Leben, haben ihre eigenen Reviere. So etwas kann man in einem Aquarium, egal wie groß es ist, nicht nachstellen. Ich mag dieses Wort “artgerecht” schon nicht – nimm als Beispiel mal ein Schwein – dieses gilt in Deutschland als “artgerecht” gehalten, wenn es 1qm Platz hat.

Selbst die typischen Süsswasserfische, die zwar im Gegensatz zu ihren Verwandten im Salzwasser fast alle kommerziell gezüchtet werden können, gehören in Seen und Flüsse, aber nicht ins Aquarium. Übrigens – von der Anzahl betrachtet sind Fische die häufigsten Haustiere in Deutschland – vor Hunden, Katzen oder Vögeln. Jeder findet die Fische im Aquarium toll, egal ob Süß- oder Salzwasser – und nur wenige fragen sich, woher all die Fische denn überhaupt kommen.

Wenn man es genau betrachtet, auch wenn man einen Guppy wahrscheinlich noch besser im Aquarium halten kann als einen Hai – aber am Ende spielt es keine Rolle ob Hai oder Guppy, gemeinsam mit all den artverwandten Tieren gehören sie in den Ozean, nicht in ein Aquarium. Ein Hund oder eine Katze kann mit einem Menschen gut leben, Fische aber haben keinen Bezug zu Menschen und es sind vor allem Wildtiere – und Wildtiere gehören nach draußen in die freie Natur. Und für mich ist jeder Fisch ein Wildtier.

Robert Marc Lehmann mit Schildkröte
Robert Marc Lehmann © Brian Mead

Das Unternehmen hinter Shark-City stellt sich fast so dar, als würde es sich bei ihrem Vorhaben, Europas größtes Hai-Aquarium in Pfungstadt zu bauen, um ein Artenschutz-Projekt handeln – von wegen Haischutz und Aufklärung. Was meinst Du dazu?

Ich sehe nicht, dass nun weltweit die Anzahl von Zoos oder Aquarien steigt, weil das so ein unglaublich erfolgreiches Konzept ist. Das Konzept eines Aquariums besteht seit tausenden von Jahren – man sperrt Tiere ein zur Unterhaltung – es geht hier nicht um Bildung oder das Wecken von irgendwelchem Bewusstsein.

Es gibt Studien die besagen, dass ein Kind im Schnitt 11 Sekunden vor einer Aquariumscheibe steht. Was kann denn ein Kind in 11 Sekunden über eine Hai lernen? Das Kind sieht wie ein Hai im Kreis schwimmt – aber lernt es, wie es um den Haischutz steht, weiss es jetzt das die Meere bedroht sind, dass den Haien die Flossen abgetrennt werden? Und wie viele Kinder gehen aus dem Aquarium raus und beschließen, Tierschützer zu werden, weil sie finden dass Haie nicht in ein Aquarium gehören?

Das Konzept AQUARIUM geht nicht auf

Welche Familie hat nach dem Besuch eines Aquariums denn wirklich was an ihrem Leben, ihrer Einstellung verändert? Dieses Konzept geht nicht auf. Das einzige was die Kinder vielleicht lernen ist dass es okay ist, Tiere einzusperren, sie zu quälen und dafür Geld zu bezahlen, dass Haie gerne im Kreis schwimmen und dass es ganz viele Fische im Meer gibt.

Auch wenn die Betreiber von Shark-City immer behaupten, es ginge ihnen um die Bildung, weil sie ja noch ein Schulprogramm anbieten und Dokumentationen zeigen – im Endeffekt sperren sie Tiere ein und verlangen Geld dafür, dazu haben sie noch mindestens ein Erlebnisrestaurant und einen Souvenirshop.

Ich habe früher auch so gedacht – ich habe gedacht dass dieses Konzept funktioniert – irgendwann habe ich gesehen: es funktioniert nicht! Es klappt viel besser mit anderen Konzepten – indem Du den Kindern Geschichten darüber erzählst, indem Du kindgerechte Vorträge hältst, die neuen Medien nutzt, YouTube, Instagram, indem Du ihnen Bilder zeigst, Fotos oder Videos. Es gibt mittlerweile Zoos und Aquarien auf der Welt, in dem nicht ein einziges echtes Tier lebt – dank moderner Techniken wie z.B. 3D-Animationen und Hologrammen. Auch in Deutschland bauen wir zurzeit ein Aquarium dieser Art.

Gepaart mit vernünftigen Schulprogrammen und Eltern schärft das auch das Bewusstsein der Kinder dafür, dass Aquarien und Zoos eigentlich scheisse sind – denn obwohl sie virtuell mit den Fischen im Ozean schwimmen können, wird dennoch kein Tier eingesperrt. Ich war letztens noch im Hannoveraner Zoo – es ist nicht so dass die Kinder da nun stundenlang vor den Elefanten rumstehen und es toll finden, dass die Elefanten da auf Beton herumstehen – im Gegenteil, die Kinder finden das oftmals eher traurig. Die sind ja auch nicht doof, die Kinder!

Die Antwort auf die Frage, ob wir ein Hai-Aquarium brauchen, lautet demnach eindeutig NEIN.

Aber Robert wäre nicht Robert und Ozeankind wäre nicht Ozeankind, wenn wir immer nur sagen würden was schlecht ist – man muss immer auch bessere Alternativen anbieten, in diesem Fall geben wir hier eine klare Antwort:

Riffhai
© Robert Marc Lehmann

Die beste Alternative zum Aquarium – “Rent-a-Robert”

Was gibt es schöneres, als wenn Kinder nachdem Sie Robert einen ganzen Tag live erlebt haben, sofort damit beginnen Müll zu sammeln, ein Tierschutzprojekt starten, ihre Eltern drängen keinen Fisch mehr zu kaufen oder ihre Schule verpackungsfrei zu machen?

Robert geht an Schulen, hält Vorträge, erzählt Geschichten aus seinen Erlebnissen mit Haien, Delfinen oder Walen – auf Wunsch auch für verschiedene Jahrgangsstufen, leitet Workshops und Diskussionsrunden und hat auf nahezu jede Frage zu all den Themen rund um den Ozean eine passende Antwort. Und im Normalfall nicht, weil er sie irgendwo mal gelesen hat – sondern weil er all diese Dinge selbst erlebt und gesehen hat.

Wenn Du Kinder hast oder Lehrer bist und auch mal den Robert mieten möchtest – gehe entweder direkt auf Roberts Seite (www.robertmarclehmann.com) oder lade Dir das Exposé für Schulvorträge direkt auf seiner Internetseite herunter.

Hier noch einige Reaktionen auf Robert in Aktion:

„60 Minuten mit Lehmann sind wie 20 National Geographic Hefte gleichzeitig lesen.“

„Nicht nur ein extremer Abenteurer, sondern auch ein extrem professioneller Redner.“

„Ein inspirierender Mensch, der einen ermutigt, etwas zu bewegen.“

„Schön, dass es jemanden gibt, der das tut, wovon andere immer nur sprechen.“

„Der Robin Hood der Meere.“

Robert, tausend Dank für Deine Zeit, die Du uns geschenkt hast – und wir freuen uns, dass es Menschen wie Dich gibt!

Weiter gehts zum dritten Teil

 

 

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