Image default

Die zweitbeste Zeit für Veränderung ist JETZT

Ein Spagat zwischen Alltag und Leidenschaft.

Heute haben wir eine wundervolle, inspirierende Geschichte von Tim, dem ersten Mann aus unserer Community der sich traut in unserer Rubrik “Du bist Ozeankind” seine Geschichte über die zweitbeste Zeit zu erzählen. Lerne Tim kennen, der in zwei Welten lebt – im Alltag und Unterwasser. Doch heute ist alles anders.

Zwischen Studium und Divemaster

In Deutschland Student der Wirtschaftswissenschaften und nebenbei ambitionierter Sportler. Auf Reisen Divemaster und Ozeanliebhaber. Ein Spagat zwischen Alltag und Leidenschaft, eine Trennung die ich so strikt nicht mehr machen wollte.

Ich bin Tim, 26 Jahre alt, so gut wie fertig mit meinem Studium und in Deutschland ein recht ambitionierter Beachvolleyballer. Darüber bin ich auch auf Ozeankind aufmerksam geworden, da ein paar befreundete Damen-Teams von INASKA gesponsert werden und die Kooperation mit Ozeankind dort recht präsent ist… seitdem bin ich fleißiger Follower und Liker.

Nachdem ich 2014 in Malaysia mit dem Tauchen angefangen habe, hat sich für mich viel verändert. Der blitzartige Eintritt in diese verborgene und unfassbar schöne Welt hat mich komplett überwältigt und einfach nicht mehr losgelassen. Nach vielen Tauchgängen in Asien war für mich klar, dass ich Dive Professional werden möchte und habe meine Divemaster Ausbildung in Komodo, Indonesien gemacht. In der Zeit war ich jeden Tag mehrmals Tauchen, habe mich sehr viel mit allem in und um den Ozean beschäftigt und einige Probleme und Kernpunkte des menschlichen Einflusses auf das Ökosystem Meer hautnah erfahren.

Erst traurig, dann wütend

Es gab ein spezielles Schlüsselerlebnis, das für mich der Ausschlag gebende Punkt war selbst aktiv zu werden. Ich habe auf einem Liveaboard (Tauch-Safari-Boot) gearbeitet und war im Süden des Komodo Nationalparks und folglich ein ganzes Stück weg von der nächsten Küstenstadt. Selbst an unberührten und noch kaum betretenen Trauminseln lag alles voller Plastik, was von der südlich liegenden Insel Sumba tonnenweise angeschwemmt wird.

Wie frustrierend ist es denn, wenn unberührte Landstriche, fernab der Zivilisation mit „Single-Use-Plastic“ Produkten regelrecht überschwemmt sind? Noch schlimmer wurde es, als wir mit unseren Gästen zum Schnorcheln reingesprungen sind, weil einige Mantas nahe der Oberfläche das Wasser durchpflügt haben. Als wir im Wasser waren, mussten wir mit ansehen, dass die Rochen, die als reine „Filter Feeder“ mit weit geöffneten Maul Plankton aus dem Wasser filtern, durch eine Suppe aus Folien, Plastikbechern, Strohhalmen und schon zu kleineren Plastikteilchen zersetzten Kunststoffstücken schwammen. Wir konnten nur fassungslos oberflächennahes Plastik einsammeln und sind irgendwann hilflos und frustriert auf unser Boot zurückgekehrt.

Ich hatte mich davor schon viel mit der Spezies beschäftigt, da mich die Begegnungen mit den freundlichen und hoch intelligenten Riesen unter Wasser unfassbar faszinieren. Die Rochen in diesem Umfeld zu sehen sind Szenen, die weltweit vorkommen und durch die Plastikflut rund um den Globus nicht besser wird – eher im Gegenteil. Und das macht erst traurig und dann wütend.

Zurück in Deutschland

Nach der Zeit voller Eindrücke und Erlebnisse war ich in Deutschland durch eine schwere Sportverletzung erstmal lange ruhig gestellt und habe die Zeit hauptsächlich genutzt, um noch mehr über die Problemlage Mikroplastik, Meeresschutz, Artenschutz und vieles mehr zu lesen.

Wie so oft wird man auch hier anfangs immer frustrierter, je mehr man über diese Themen weiß, vieles erscheint einem aussichtslos. Verbildlicht: Jeder jemals produzierte Strohhalm existiert noch und allein in Deutschland werden jährlich ca. 40 Milliarden verbraucht (Quelle: ZDF). Überlegt mal seit wann es den Rohstoff Plastik inflationär gibt und wie lange ein Strohhalm ungefähr braucht um sich zu zersetzen… die Rechnung geht auf jeden Fall nicht auf! Zudem kommt das große Problem, dass das Plastik selbst nach über 200 Jahren nicht einfach weg ist, sondern sich zu Mikroplastik zerlegt hat, das sich weiter zu Nanoplastik verkleinert.

Ganz verschwinden wird ein Plastikprodukt dadurch nie und dringt immer tiefer in das Ökosystem ein. Und das in diesem Beispiel für ein Produkt, das eine Nutzungsdauer vom im Schnitt 5-15 Minuten hat und sowohl nachhaltig ersetzt oder einfach ganz weggelassen werden kann.

Obwohl ich schon immer auf meinen Konsum geachtet habe und mich auch davor schon zu 95% „plant based“ ernährt habe, musste ich mich fragen: Was ist der Teil, den ich beitragen kann, damit man zumindest etwas bewegt? Nichts zu tun war durch den ganzen Frust über die Situation und die Erlebnisse unter Wasser jedenfalls keine Option und Zeit hatte ich (gezwungener Maßen) jetzt ja auch.

Neben der noch konsequenteren Vermeidung von „Single-Use-Plastic“, Plastik Flaschen, Tüten und dem ganzen Unsinn ist eine Idee über mehrere Monate gereift. Ich wollte ein Projekt starten, das die Problematiken für andere, die vielleicht nicht so eine starke Bindung zum Ozean haben, zugänglich machen. Nach dem Wintersemester habe ich mich dann final entschlossen… einfach machen. Kleine Schritte, zu verlieren gibt es wenig, zu gewinnen eventuell mehr!

Mantahari Oceancare

Also habe ich ein Gewerbe angemeldet und den Markennamen „Mantahari“ gekauft (indonesisches Wortspiel, das auf dem Boot wortwörtlich eine Schnapsidee war). Die einfache Vision des kleinen Projektes ist, dass jede einzelne Person einen Einfluss auf das Große und Ganze hat. Wie gut würde es tun, wenn alle, die mit dem Projekt in Kontakt sind, etwas bewusster durch unsere Konsumgesellschaft gehen. Es kann ein kleiner Schritt für den Einzelnen sein den Gebrauch von „Single-Use-Plastic“ zu überdenken und zu recyceln, der jedoch größere Wirkungen nach sich zieht. Jeder noch so kleine positive Einfluss zählt!

Es gibt mittlerweile eine Homepage  und ein paar Produkte, von deren Erlös ich ca. 65% an die Marine Megafauna Foundation spende, die ich in Komodo kennen und sehr schätzen gelernt habe. Der Rest der Marge wird rein zur Reinvestition und zur Abbezahlung der Gründungsinvestitionen und laufenden Kosten genutzt.

Ich weiß natürlich, dass man nicht von jedem erwarten kann ein Ozeanaktivist zu werden (auch wenn das sehr gut tun würde). Es machen die wenigsten direkte Erfahrungen unter Wasser, die jedem die Augen öffnen würden. Sicher war ich mir jedoch, dass meine Passion rund um das Thema Ozean für ein paar mehr Menschen reicht und will daher versuchen eine größere Gruppe für die Problematiken zu sensibilisieren. Wenn man ein paar hundert erreichen kann, wäre das gut. Wenn es tausende werden und mehr Menschen kleine Verbesserungen in ihren Konsum integrieren, wäre ein Anfang gemacht. Auf den Mantahari Social Media Kanälen gibt es einen regelmäßigen Feed aus Fakten über den Ozean und seine Lebewesen, kleine „Life-Hacks“, wie man ein bisschen umweltfreundlicher konsumieren kann und regelmäßige Gedankennahrung über dieses wirklich wichtige Thema.

Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht eine sehr lange Zeit ans Meer denke, mir Gedanken mache, wie man mehr bewegen kann und der breiten Masse klar macht, dass es allerhöchste Zeit ist, diese Thematiken sehr ernst zu nehmen. Ich glaube, dass unsere Generation dabei ist das Thema Plastikkonsum und den Meeresschutz allgemein (ich habe noch nicht über Geisternetze, Lärmverschmutzung, Überfischung, Shark Finning, […] und vieles mehr gesprochen) aktiver aufzugreifen, auch wenn der Weg zu zählbaren Konsequenzen noch weit ist. Social Media gibt Aktivisten eine Plattform, die absolut nützlich ist. Alle, die sich dem Thema widmen und Veränderungen bewirken, Menschen inspirieren oder zum Nachdenken bewegen, ziehen am gleichen Strang.

Die beste Zeit wirklich etwas zu verändern wäre wohl vor 50-70 Jahren gewesen, die zweitbeste Zeit ist für mich genau jetzt. Und ich hoffe für viele von Euch auch.

Es ist einfach toll zu lesen, zu sehen wieviele Parallelen es zwischen Tim und unseren Ozeankind-Weg gibt. Ein tolles Gefühl, dass gerade die Generation 20-40 verstärkt das Problem annimmt und selbst aktiv wird. Wenn Du Deine Geschichte mit anderen teilen willst, schreibe uns eine Email. Wir freuen uns drauf!

 

Teile diesen Beitrag mit der Welt

Ähnliche Beiträge

Unsere Unterkünfte in Südafrika

Marina

Meine erste Begegnung mit dem Weißen Hai

Micha

Ein armer Mann, eine Insel und ein Held

Micha

Wir verwenden Kekse (Cookies), um Dir das beste Nutzerlebnis bieten zu können. Wir wollen aber Dir die Entscheidung überlassen. Ich mag Kekse (Cookies), also erlaube ich Euch die Nutzung Mehr Infos