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WTF? Kaltes klares Wasser in Plastikflaschen

Wasser in Deutschland. Wozu noch Wasser in Plastikflaschen?

Damit wir bedenkenlos den Hahn aufdrehen können, gibt es die Trinkwasserverordnung. Hier ist die Qualität gesetzlich geregelt. Es wird analysiert, untersucht und darauf geachtet, dass bestimmte Grenzwerte eingehalten werden. Nahezu überall in Deutschland kann man bedenkenlos Leitungswasser trinken. Wozu noch Wasser in Plastikflaschen kaufen?

Im letzten Jahr haben wir Deutsche pro Tag durchschnittlich 157 Liter Wasser verbraucht. Trinkwasser sind davon 2-3 Liter. Je nach dem wo wir wohnen, kostet das Wasser unterschiedlich viel. Es kommt auf die Qualität, Herkunft plus Aufbereitung an und wieviele Personen in einem Haushalt leben. Bei uns in Düsseldorf kostet der Kubikmeter Wasser ( also 1000 Liter) 1,77 €. Das bedeutet für 1 Liter frisches, sauberes Wasser zahlen wir 0,00177 €. Noch nicht mal 1 Cent! Was kostet nochmal eine Flasche Volvic, Vittel oder Gerolsteiner? Oder die entsprechenden Marken der Discounter? Egal wieviel genau die Flasche kostet, es ist auf jeden Fall ein Vielfaches von einem einzigen Cent.

Auch wir haben uns da die Frage gestellt, wie viel Wasser in Plastikflaschen wir wohl schon so gekauft haben? Hunderte oder Abertausende Liter wahrscheinlich. Kostenpunkt? Mehrere Tausend Euro wahrscheinlich.

Frage: Haben wir eigentlich alle einen Pin im Kopf?

Welchen Grund genau gibt es dann also, nicht unser Leitungswasser zu trinken, sondern lieber das Wasser aus den Plastikflaschen für ein Vielfaches des Preises zu kaufen? Ist es vielleicht die Qualität? Oder Marketing? Oder sind wir am Ende einfach nur blöd?

Quelle: Stiftung Warentest

Leitungswasser ist meist besser als Mineralwasser

Stiftung Warentest und Ökotest führen in regelmäßigen Abständen Untersuchungen durch und testen ob Wasser in Flaschen gesünder ist, als das heimische Leitungswasser. Das Ergebnis: Deutschland hat eine gute bis sehr gute Trinkwasserqualität. Es wird mehr kontrolliert als das abgefüllte Wasser.

Mineralien findet man meist sogar mehr als in sogenannten Mineralwassern. Wusstest Du, dass Mineralwasser nicht unbedingt mineralstoffreich sein muss? Es gibt seit 1980 keine Vorgabe wieviele Milligramm in einem Liter Wasser sein müssen. Das Wasser aus dem Hahn ist meist sogar mineralstoffreicher. Wohingegen in einem Fünftel der getesteten Flaschenwasser sogar Rückstände von Pestiziden gefunden wurden. Also warum (mehr) Geld dafür ausgeben?

Leitungswasser ist also mindestens genauso “sauber” wie das Mineralwasser aus der Flasche – es muss einen anderen Grund geben? Ist es vielleicht der Komfort?

Die Organisation storyoffood.org hat ein sehr gutes Video zum Thema Flaschenwasser (auf englisch) produziert, wo vieles sehr schön zusammengefasst wird.

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Plastikflaschen sind gefährlich

Zugegeben, Plastikflaschen in denen das Wasser bereits abgefüllt wurde und die wir wie selbstverständlich im Supermarkt im Sixpack kaufen, sind praktisch. Aber, wie du (unter anderem) vielleicht schon bei uns gelesen hast, sind in Plastik verschiedene Stoffe enthalten, die uns und unserer Umwelt schaden. Ungefähr 89 Milliarden Liter Wasser werden jährlich weltweit in Plastikflaschen abgefüllt. Der Großteil davon sind PET Einweg Flaschen, rund 80 Prozent dieser Flaschen werden also nicht recycelt.

Dazu kommt, dass das Plastik, in denen sich die sechs Flaschen dann befinden, eine lebensgefährliche Falle für Meeresbewohner ist – sie spielen damit oder versuchen hindurchzuschwimmen – und behalten es für immer bei sich – und verenden darin. Zum Beispiel sind das oft diese Tiere hier …

Wasser ist ein Grundrecht

DU wachst morgens auf, gehst zum Kühlschrank und greifst nach gekühltem Wasser. Du setzt die Flasche an, das kühle, frische Nass läuft die Kehle runter. Ahhhhh, tut das gut. Weit mehr als eine Milliarde Menschen auf dieser Welt haben diesen Luxus aber nicht. Ihnen fehlt schlichtweg der Zugang zu sauberen Trinkwasser. Sie trinken verunreinigtes Wasser, weil sie keine andere Wahl haben. Das sie durchs Trinken ihr Leben und das ihrer Kinder aufs Spiel setzen, muss in Kauf genommen werden wenn man nicht verdursten möchte.

Weltweit sterben jeden Tag ungefähr 5.000 Kinder an Wassermangel oder an den Folgen von verunreinigtem Wasser.

Die diversen TV Spots von save the children und Co. kennen wir, denke ich, alle. Wir sehen sie, werden vielleicht kurz traurig über das Leid in der Welt, greifen dann in die Chips-Tüte und machen weiter wie bisher auch. “Warum soll ich jetzt 5 € im Monat spenden? Das macht das Ganze auch nicht besser….und überhaupt die ganzen Organisationen betreiben eh Schindluder mit meinem Geld. Alles Kriminelle!”

Wir nehmen die Ungerechtigkeit in der Welt so hin, es ist weit weg, wir schauen vielleicht hin, in unserem Kopf kreisen evtl. die Gedanken von oben. Warum sag ich Dir das? Ist ja nicht so, dass wir es zum ersten Mal hören oder lesen.

Ich wünsche mir, dass wir demütiger werden. Viele Dinge sollten – nein, dürfen nicht für selbstverständlich genommen werden. Ja, ich hatte das Glück in Deutschland geboren worden zu sein, wie Du vermutlich auch. Da kommt der Strom aus der Steckdose und das Wasser aus dem Hahn,  ohne das man groß was dafür tun muss.

Die Wasser in Plastikflaschen-Mafia

Jeder Mensch hat das Recht auf Wasser. Es ist seit 2010 in den Menschenrechten verankert. Jedoch ist das Grundrecht nicht unbedingt verbindlich. Viele Staaten hatten sich mit der Begründung dass es “kein internationales Recht” auf Wasser gibt, der Abstimmung enthalten. Die USA waren übrigens auch darunter.

4 Konzerne teilen sich die Marktherrschaft des Wassers weltweit:  Danone, Coca-Cola, Nestlé & Pepsi

Coca-Cola und Pepsi haben den Hauptsitz in den USA, Danone in Frankreich und Nestlé sitzt in der Schweiz. Ich mag die Schweizer. Bis auf die Tatsache, was Nestlé in der Welt so treibt. Das Flaschenwasser ist die wichtigste Einnahmequelle des Konzerns. Es gehören 77 Flaschenmarken zu Nestlé (wie z.B.  San Pellegrino und Vittel), somit hält der Konzern 17 % weltweiten Wassermarktes.

Diese Konzerne bestimmen unser Einkaufsverhalten und wollen uns glaubhaft machen, dass ihr Wasser besser ist als das aus der Leitung. Aber stimmt das?

Was kannst du tun?

Lass uns gemeinsam was ändern. Im ersten Schritt sollten wir dankbar sein, was wir bereits alles haben. Im nächsten Schritt entscheidet wieder unser Geld was wir unterstützen und somit verändern wollen.

  • kaufe keine Getränke in PET Einweg & Mehrweg Flaschen
  • nutze wiederverwendbare Glasflaschen
  • unterstütze Firmen wie zum Beispiel Soulbottles und nicht Nestlé
  • es gibt übrigens so ein Ding, das nennt sich Sodastream, damit verwandelt man Wasser in Sprudelwasser 😉
  • guck Dir diese super gute Grafik zu dem Thema an, um weitere Infos zu bekommen

 

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