Image default

Hormone auf meinem Fischteller?!

Mikroplastik im Fisch?

Ich liebe Fisch. Ob Lachs, Seeteufel oder Meeresfrüchte aller Art. Wenn ich mal essen gegangen bin, gab es häufig Fisch, ist ja schliesslich auch gesund und schmeckt super. Außerdem konnte ich mir sicher sein, dass der Fisch eine gewisse Qualität hat – na ja, zumindest bin ich davon ausgegangen. Ich habe mir auch keinerlei Gedanken darum gemacht. Aber je mehr ich mich mit dem Thema Plastik und speziell mit Mikroplastik beschäftige merke ich, wie sich meine Einstellung langsam verändert. Der Grund: Hormone.

Mikroplastikteilchen sind winzig klein – Mikro eben. 

Es taucht immer häufiger auf, dieses verdammte Mikroplastik. Es ist sogar schon so weit, dass Plastikteilchen in unseren Fischen gefunden werden. Genau, in den Fischen die wir essen – weil Fisch ja generell gesund ist. Wie sich Plastik in so kleine Teilchen verwandelt und wie das Ganze in unsere Abwässer und schlussendlich ins Meer gelangt, hast du vielleicht (hoffentlich) bei uns schon gelesen.

Aber kommen wir zurück zu den Fischen. Sie nehmen durch die Massen von herumtreibenden Kunststoffmüll das Plastik mit der Nahrung auf.

Und was hat das Ganze nun mit Hormonen zu tun?

Generell beeinflussen Hormone nahezu alle Vorgänge im Körper. Egal ob Mensch oder Tier: Stoffwechsel, Blutdruck und Fortpflanzung. Vielleicht hast Du schonmal gelesen oder gehört, dass insbesondere schwangere Frauen BPA meiden – einfach weil es negative Einflüsse haben kann. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt, aber auch Fische sollten BPA meiden, nur haben die oft nicht die Wahl. Viele Tonnen Plastik treiben in unseren Meeren. Dem Lebensraum der Fische. Die nehmen es mit der Nahrung auf oder auch einfach so, weil sie es mit Nahrung verwechseln.

Don Tillitt vom US Geological Survey und seine Kollegen haben eine Versuchsreihe gestartet, bei der Fische mit einer geringen Dosis BPA versorgt wurden. Dabei stellte sich heraus, dass es bei der nachfolgenden Generation zu weniger Babys kam. Die Fische erzeugen weniger Nachkommen. Heißt: weniger Fisch zum Essen.

Wenn künstliche Hormone in den Organismus eingreifen, egal bei welchem Lebewesen, hat das nicht so schöne Folgen … bei Plastik ist wie eben erwähnt das enthaltene BPA ein großes Problem.

Doch was ist BPA? Bisphenol A (BPA) ist eine Chemikalie, die schon seit über 50 Jahren bei der Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen verwendet wird. Sie macht Plastik härter und sorgt dadurch für eine erhöhte Haltbarkeit. Jährlich werden rund vier Millionen Tonnen der Chemikalie hergestellt.

Nun kann man natürlich davon ausgehen, das falls Plastik in einem Fisch gefunden wird, es mit den Innereien des Fischs entfernt wird – damit wir kein Plastik mitessen. Dennoch kann im Moment keiner mit Sicherheit sagen, ob die Stoffe trotzdem noch im Fisch enthalten sind und welche gesundheitlichen Folgen das haben könnte.

Fisch als Grundnahrungsmittel

Toter Fisch im Eimer

Wie wir wissen, gilt Fisch für Millionen Menschen als Grundnahrungsmittel und für viele auch als Haupteinnahmequelle.  Wir, die in reichen Industrienationen leben haben die Wahl und meist auch das Geld frei zu entscheiden, was denn auf dem Teller landen soll. Viele Menschen, vor allem die Küstenbewohner dieser Welt, haben diese Wahl nicht.

Die Welternährungs­organisation (FAO) schätzt die Zahl der Fischer weltweit auf 54 Millionen.  Wenn man jetzt ihre Familien und die Zulieferer von Fischereibedarf dazuzählt, sind heute 660 bis 820 Millionen Menschen direkt oder indirekt von der Fischerei wirtschaftlich abhängig.

Wir sind also indirekt mitverantwortlich, wenn diese Millionen Menschen bald nichts mehr zu essen haben.

Kommen wir zurück zu uns in der „ersten Welt“. Sollten jetzt Gedanken aufkommen, wie „Der Fisch im Laden ist doch nun schon tot, dann ist es doch besser wenn ich ihn kaufe. Dann ist er nicht umsonst gestorben!“ dem sage ich:

Nein. Wir, die Konsumenten, bestimmen mit unserem Geld welche Produkte angeboten werden. Mit unserem Geld und der damit verbundenen Kaufentscheidung haben wir es in der Hand etwas zu verändern. Es liegt an unseren Gewohnheiten und Glaubenssätzen, die wir hinterfragen sollten. Ich werde damit nun bei mir selbst anfangen. Machst du mit?

Übrigens, auch bei uns vor der „Haustür“ gelangen jährlich geschätzt 20.000 Tonnen Müll (vorwiegend Plastik) in unsere angrenzenden Meere. Wir müssen also gar nicht unbedingt den Blick nach Asien richten. Es gibt auch hier genug zum anpacken ;). Im Magen von Makrele, Flunder, Hering und Dorsch aus der Nord- und Ostsee wurden bereits verschiedene Plastikteile gefunden.

Und was kannst Du tun?

  • Fischkonsum reduzieren, generell überdenken oder gleich vegan leben
  • Überlegen welchen Fisch man einkauft. Greenpeace hat einen Einkaufsratgeber herausgebracht 
  • Nicht von Gütesiegeln blenden lassen
  • Plastikprodukte meiden und wenn BPA-freie Produkte kaufen 

 

Teile diesen Beitrag mit der Welt

Ähnliche Beiträge

Was haben Ernährung und Umweltschutz gemeinsam?

Marina

5 Fragen an – Tommy, Project Schone Schie, Niederlande

Micha

Meeresschildkröten und Plastikmüll

Marina