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Gesundheitsgefahr durch Fisch aus Aquakulturen

Fisch aus Aquakulturen – Lösung für das Problem Überfischung?

Es könnte so schön sein – wir züchten Wolfsbarsch, Lachs, Forelle & Co. einfach in Aquakulturen statt die Meere weiter leerzufischen. Ob das aber wirklich die Lösung sein kann, welche neuen Probleme Aquakulturen mit sich bringen und vor allem, wie es aus gesundheitlicher Sicht um den Zuchtfisch steht, der so auf unseren Tellern landet, erfährst Du in diesem Artikel.

Die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) veröffentlicht alle zwei Jahre einen Bericht, die aktuellste Version ist aus 2014. Alle Berichte kannst Du dir auf deren Seite hier herunterladen.

Demnach wurden im Jahr 2014 insgesamt 167,2 Millionen Tonnen Fisch gefangen, 146,3 Millionen davon haben wir Menschen verzehrt – davon stammen 56% oder 93,4 Millionen aus Wildfang und ein Anteil von 44% oder 73,8 Millionen Tonnen aus Aquakulturen. Aufgrund der steigenden Nachfrage und der wachsenden Weltbevölkerung werden es auch im nächsten Report (2018, dann vermutlich mit Zahlen aus 2016) nicht weniger.

Fünf Jahre zuvor lag der Anteil von Fisch aus Aquakulturen noch bei ca. 38% (55,7 Millionen Tonnen von insgesamt 145,9) – es lässt sich also klar erkennen: der Anteil von Zuchtfisch wächst rapide. Es ist jedoch nicht so, dass deshalb die absolute Anzahl von Wildfängen gleichzeitig sinken würde. Der Anteil wird geringer, die totale Zahl jedoch nicht. Während der prozentuale Anteil von Zuchtfisch in den letzten fünf Jahren also um 6% gestiegen ist, hat sich gleichzeitig auch die Menge an Wildfängen von 90,2 auf 93,4 Millionen Tonnen erhöht. Du möchtest wissen, was Thema Überfischung denken?

Sind Fische aus Aquakulturen also die bessere Alternative?

Nun könnte man ja denken, dass es allemal besser wäre, Fische zu züchten anstatt die Meere weiter auszurauben. Und wie sagte es Robert Marc Lehmann in seiner Nachricht an alle Ozeankinder kürzlich?

“Die Meere sind leer.”

Denn leider bringt auch Fisch aus Aquakulturen viele Probleme mit sich. Wir gehen im folgenden Artikel in erster Linie auf einen Lieblingsfisch der Deutschen ein – auf den Lachs.

Lachs mit Kräutern aus Aquakultur

Massentierhaltung und die fehlende Anerkennung durch die Öffentlichkeit

Info für alle … ursprünglich wurde in diesem Artikel behauptet dass es nur 8 Liter pro Lachs wären. Was auf eine falsche Mengeneinheit zurückzuführen war – Liter statt Kubikmeter. Nach dem Hinweis eines aufmerksamen Lesers wurde das im nachfolgenden Absatz korrigiert. Dieser Fehler ändert jedoch nichts an der Aussage des gesamten Artikels, welcher deshalb nicht angepasst wurde.

Wo genau liegt eigentlich der Unterschied zwischen der tierquälerischen Haltung von Schweinen, Hühnern und Rindern in Mastbetrieben und der Haltung und Aufzucht von Fischen in einer Aquakultur? Fische quieken und schreien nicht, aber sonst? Wir finden – es gibt keinen. Immer wenn man im Fernsehen Berichte über die größtenteils katastrophalen Zustände in Mastbetrieben sieht, ist das Geschrei groß. Bei Fisch ist es aber okay? Nur selten gibt es Berichte darüber, lediglich bei YouTube findet man ein paar Videos, wenn man richtig sucht.

Zwar gibt es in dem einen oder anderen Land gesetzliche Vorgaben, wie viel Platz die Fische haben müssen, z.B. in Norwegen. Aber was heißt das?

Wir haben uns die Aussagen in des Norwegian Seafood Council  mal ein wenig genauer angeschaut. Und irgendwas stimmt hier nicht bzw. wird nicht wirklich klar erklärt. Die Netzgehege sind normalerweise zylinderförmig und müssen ein Verhältnis von 2,5 Prozent Fisch bei 97,5 Prozent Wasser aufweisen.

Gemäß des Norwegian Seafood Council dürfen maximal 200.000 Lachse in einem Netzgehege sein. Bei einem maximalen Durchmesser von 200m und einer Tiefe von 50m. Die meisten Netzgehege sind zwar etwas kleiner, gehen wir aber mal von der Maximalgröße aus – ergibt eine maximale Wassermenge von maximal etwa 1.597.000 cbm in einem einzigen Gehege. Im Folgenden runden wir das der Einfachheit halber mal auf 1.6 cbm auf – ist leichter zu rechnen.

Bezieht man diese 1.600.000 cbm nun auf die 200.000 Lachse, wären das etwa 8.000 Liter Wasser pro Lachs. Maximal. Im Vergleich zum Meer ist das “eher wenig”.

Artgerecht ist anders. Soviel zum Thema “Fokus auf das Wohlergehen der Tiere”. Und ohne es wirklich zu wissen, wir wagen mal zu behaupten dass das in den asiatischen Zuchtfarmen nicht besser ist.

Aquakultur Lachsfilet mit Zitrone

Nahrung von Zuchtlachsen in Aquakulturen

Laut einem Bericht des ORF setzte sich die Ernährung von Zuchtlachsen in 2014 wie folgt zusammen: 40% Pflanzliches Eiweiss, 24% Pflanzliche Öle, 15% Kohlenhydrate, 15% Fischmehl und 6% Fischöl.

Ein Großteil davon wird aus Fischen gewonnen, die für den menschlichen Verzehr überwiegend ungeeignet sind. Wie zum Beispiel aus der peruanischen sowie der japanischen Sardelle, der japanischen Makrele oder der chilenischen Bastardmakrele. Weiterhin werden vermutlich auch Fischabfälle aller Art sowie in Einzelfällen sogar Fische genutzt, die eigentlich auch für den menschlichen Verzehr geeignet wären.

Wer im Biologie-Unterricht aufgepasst hat, weiß vielleicht noch das Wildlachse eigentlich eher gar keine Pflanzen fressen. Nun essen wir Menschen Lachse ja eigentlich (oder Fisch generell), weil wir die Omega 3-Fettsäuren brauchen. Seitdem Zuchtlachs aber immer mehr pflanzliche Nahrung erhält, sinkt der Anteil von Omega 3 in Fischfleisch dramatisch. Gleichzeitig steigt der Anteil von Omega 6-Fettsäuren – und davon haben wir Menschen normalerweise genug. Man geht davon aus, dass ein zu hoher Anteil von Omega 6 eine negative Wirkung auf uns Menschen haben könnte, vor allem wenn er noch weiter steigt. Und zuviel Omega 6 blockiert die Wirkung von Omega 3.

Fischfutter enthält also immer weniger tierisches Fett aus Fisch. Damit die Fische aber schnell wachsen können und genug Nährstoffe für das Wachstum haben, muss das Fett auf einem anderen Weg in die Fische kommen. Mit pflanzlichen Fischfutter. Der hohe Anteil von pflanzlichem Fett im Fischfutter stellt die Züchter aber vor ein weiteres Problem. Fett hat die Eigenschaft, schnell zu oxidieren, mit anderen Worten: es wird ranzig. Und damit kommen wir zu einem Folgeproblem – denn wie verhindert man das? Damit kommen wir schon zum nächsten Problem.

giftiger fisch aus aquakultur
Ethoxyquin für Aquakulturen

Ethoxyquin ist eigentlich ein Pflanzenschutzmittel und ist als solches seit 2011 in der EU verboten, weil es giftig sein könnte. Als Bestandteil von Tierfutter ist es aber nach wie vor erlaubt.

Greenpeace hat Fische aus deutschen Märkten untersucht – und in mehr als der Hälfte bedenkliche Pestizidrückstände gefunden. In diesem Bericht heisst es auch, dass es in der EU für nahezu jedes Lebensmittel eine Höchstmenge von Ethoxyquin gibt. Nur der Lachs fehlt. Ein Schelm wer Böses dabei denkt …  (Höchstmengen der EU).

Wie Ethoxyquin auf den Menschen wirkt, ist nicht ausreichend erforscht. Einzelne wissenschaftliche Forschungen anhand von Tierversuchen lassen jedoch vermuten, dass es die Erbsubstanz schädigt, den Leberstoffwechsel verändert und krebserregend sein könnte.

Wer Zuchtlachs isst, nimmt also Pflanzenschutzmittel zu sich.

Ethoxyquin wurde übrigens 1959 von Monsanto auf den Markt gebracht, damals noch als Alterungsschutzmittel für Gummi (Quelle: Wikipedia). Und irgendwas war da doch mit Monsanto und Glyphosat, wenn wir uns richtig erinnern.

Antibiotika, Dioxin, PCB und zusätzliche Kritikpunkte der Aquakulturen

In Aquakulturen gibt es oft so viele Fische, dass sich Bakterien, Viren und Krankheiten sehr schnell ausbreiten können. Damit die Fische, die ja auch für die Züchter einen nicht unerheblichen Wert haben, so etwas überleben können, werden oft Antibiotika eingesetzt, weiterhin finden sich Dioxine oder PCB in Fischen – Stoffe, die ganz bestimmt nicht in unseren Körper gehören.

Und dann wäre da noch die Verunreinigung der Gewässer durch Fischkot, Bakterien oder Chemikalien – zudem sterben ja auch manche Tiere während der Aufzucht. Es passiert leider auch immer wieder, dass Fische aus der Fischzucht entkommen und ins offene Meer gelangen, wo sie sich mit frei lebenden Artgenossen paaren.

Ozeankind - unser Fazit

Der Verzehr von Zuchtfisch ist nach aktuellem Wissensstand gesundheitsgefährdend, auch wenn die offiziellen Quellen oft das Gegenteil behaupten. Würden wir auch tun wenn wir damit Geld verdienen wollten ;).

Wir brauchen ganz sicher eine Alternative zu Wildfängen. Generell ist Fisch aus Aquakulturen bestimmt eine Möglichkeit, der Überfischung der Meere auf irgendeiner Art und Weise entgegenzuwirken. Aber wir brauchen diverse Verbesserungen an der Haltungsweise, dem Ort dieser Fischfarmen und der Ernährung und Aufzucht der Fische.

Auch müssten andere Arten – bspw. pflanzenfressende Fische wie Karpfen oder Barben – bevorzugt werden, auch wenn das bedeutet dass wir Menschen eben keine Lachse oder Pangasius mehr essen könnten.

Denn so, wie es aktuell betrieben wird, ist diese Aufzucht von Raubfischen wie dem Lachs mindestens genauso schlecht wie der industrielle Fischfang, die verschiedenen Gründe hast Du ja gerade gelesen. Der einzige Vorteil ist, dass die Wildfische ein wenig erholen könnten.

 

 

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