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Flugscham. Darf man noch fliegen?

Flugscham. Ist das die falsche Frage?

Ja darf man denn noch fliegen? Was ist das nur für eine Frage. Wieso überhaupt “darf man”? Seit einiger Zeit gibt es für diese Gefühlslage einen Begriff dafür: Flugscham. Natürlich “darf man” … wenn man einen guten Grund dafür hat. Die richtige Frage, die wir uns alle selbst stellen sollten, jeder Mensch für sich, lautet deshalb ob wir fliegen MÖCHTEN oder MÜSSEN und wenn ja WARUM. Ein Kommentar von Micha.

Das Thema ist allgegenwärtig, selbst in Zeiten von Corona: Flugscham, CO2-Steuer oder das auch immer mal wieder geforderte Verbot aller Inlandsflüge. Dazu Klimaaktivisten die an Flughäfen demonstrieren, Urlauberinnen und Urlauber die beschimpft werden und gefühlt jeden einzelnen Flug rechtfertigen müssen. Man könnte fast meinen, dass die Menschen, die “immer noch” das Flugzeug nutzen, Schuld an der Klimakrise seien. Das ist zumindest ist der Eindruck der mehr und immer wieder entsteht. Doch das Fliegen grundsätzlich zu verteufeln ist meiner Ansicht nach der komplett falsche Weg.

Die Welt so wie wir sie heute kennen, funktioniert nur deshalb so wie sie funktioniert weil ein paar ziemlich schlaue Menschen vor vielen Jahrzehnten herausgefunden haben wie das mit den Jumbo-Jets, mit den Urlaubsfliegern und Frachtflugzeugen funktioniert. Seitdem fliegen täglich immer mehr Waren (vor allem Lebensmittel) durch die Weltgeschichte, Millionen Briefe und Pakete werden uns u.a. dank Prime innerhalb von 24 Stunden geliefert.

Und dennoch gibt es immer mehr Menschen, Medien und Organisationen, die sich auf das Thema Fliegen eingeschossen haben und immer wieder so tun als wäre es auch nur im Ansatz realistisch den weltweiten Flugverkehr drastisch zu reduzieren oder gar bestimmte Arten von Flügen zu verbieten. Hallo Flugscham. Aus meiner Sicht ein fataler Fehler, mit dem wir am Ende vermutlich das Gegenteil von dem erreichen werden, was wir eigentlich wollen.

Mehr Passagiere, mehr Flüge, mehr CO2

Viele Menschen haben erst seit wenigen Jahrzehnten überhaupt die Möglichkeit dazu, fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen. Etwa 82 Prozent der Weltbevölkerung haben hingegen noch nie in einem Flugzeug gesessen. Vergleicht man übrigens die Anzahl der Fluggäste aus 2017 mit denen von 2018, so sind in 2018 7,1% mehr Menschen geflogen als im Vorjahr.

Wir stellen also fest: Rund 18 Prozent der Weltbevölkerung sind “Schuld” an den Treibhausgasen, die durch den Flugverkehr Jahr für Jahr entstehen. Doch wie groß ist eigentlich der Anteil der schädlichen Gase am Gesamtausstoß? Hierzu eine Info vom BUND. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass die Klimawirkung des Flugverkehrs insgesamt bei “nur” 4,9 Prozent liegt. Zum Vergleich – laut dem Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP) sind die fünf weltgrößten Fleisch- und Molkereikonzerne zusammen für mehr Treibhausgas-Emissionen verantwortlich als jeweils die drei größten Ölkonzerne der Welt: ExxonMobil, Shell und BP.

Darf ich denn noch fliegen? Flugscham.

Diese Frage lässt sich pauschal erstmal nicht beantworten – denn auch im Flugverkehr gibt es nicht nur schwarz oder weiss, sondern viele Zwischen-Farbtöne. Es kommt also aus meiner Sicht eher darauf an, dass sich jeder von uns einfach die Frage beantworten muss, ob er oder sie fliegen möchte.

Die eine fliegt morgens von Düsseldorf nach München zu einem Kundenmeeting und abends zurück, für den anderen geht es zusammen mit drei Kindern in den einzigen Jahresurlaub nach Gran Canaria. Wieder andere fliegen mindestens einmal im Monat mit dem Billigflieger nach Malle ins eigene Ferienhaus oder zum Marathon nach New York – alle wollen Avocados essen, viele sind Prime-Mitglied (die meisten wohl kaum wegen der Filme).

Und dann wären da ja auch noch diese Umweltschützer. Das sind Menschen oder Organisationen, die sich zumeist ohne jegliche Gewinnorientierung Tag für Tag auf die verschiedensten Arten und Weisen für eine bessere Welt einsetzen.

Flugscham ist oft unbegründet

Beginnen möchten wir mit einem Kommentar auf unserer Facebook-Seite (Ozeankind e.V.) unter einem Beitrag, in dem wir darüber berichtet hatten dass wir deutsche Sonnencreme auf einer Deponie auf Sansibar gefunden haben. Da meinte jemand “dass wir doch den Kopf zu machen sollten weil wir nach Sansibar geflogen sind”.

Dann wäre da noch Susanne Speicher, Sprecherin von Fridays for Future Saarland, die im SR2 Sommerinterview sagte: “Wenn man zum Beispiel in die Karibik möchte dann sollte man sich tatsächlich überlegen ob es mir das wert ist, ob ich die Zukunft der nächsten Generation aufs Spiel setzen muss – nur für einen entspannten Urlaub.”

Haben Menschen, die andere Menschen fürs Fliegen verurteilen, einfach nur Langeweile?

Auch wir werden neuerdings immer mal wieder dafür kritisiert, dass wir als Vorstand einer Umweltschutzorganisation auch mit dem Flugzeug fliegen. Und das beschränkt sich vor allem nicht nur auf uns – das gilt genauso für die Abgeordneten der Grünen, Leonardo di Caprio, Jane Goodall, Sylvia Earle oder Paul Watson von Sea Shepherd – alles Menschen die fürs Fliegen kritisiert und teilweise sogar verurteilt werden. Es heisst dass solche Menschen keine guten Vorbilder seien – dass “wir” sozusagen Vorreiter sein müssten damit Lieschen Müller sich viermal überlegt, ob sie ihren wohlverdienten Sommerurlaub weiterhin auf Bali verbringen “darf” oder ob sie künftig mit dem Zug an die Nordsee fahren “muss”. Doch der Vergleich hinkt.

Bildquelle: Pixabay

Weniger als 1% – Inlandsflüge verursachen 2 von 866 Millionen Tonnen

Laut Umweltbundesamt sind Inlandsflüge in Deutschland im Jahre 2018 für 2 von insgesamt 866 Millionen Tonnen Treibhausgasen verantwortlich. Hinzu kommen für 2017 etwa 27 Millionen Tonnen zusätzliche Treibhausgase von den in Deutschland gestarteten Langstreckenflügen. Hier ein paar Zahlen, zum besseren Vergleich:

  • Energiewirtschaft: 299 Millionen Tonnen
  • Verkehr (inkl. 2 Millionen Tonnen durch Inlandsflüge): 163 Millionen Tonnen
  • Industrie: 65 Millionen Tonnen
  • Landwirtschaft: 64 Millionen Tonnen

Die Klimawirkung durch den Flugverkehr liegt weltweit übrigens bei etwa 4,9% (hier gehts zur entsprechenden Studie).

Nie zuvor flogen weltweit mehr Passagiere durch die Lüfte als 2018: gemäß den jüngsten Angaben der ICAO haben die Airlines der Welt im vergangenen Jahr bei rund 38 Millionen Starts 4,3 Milliarden Fluggäste befördert. Gegenüber 2017 bedeutet dies ein Wachstum von 7,1 Prozent. Die Menge der zurückgelegten Flugkilometer pro zahlendem Passagier wuchs um 6,7 Prozent und erreichte rund 8,2 Billionen – auch wenn das Wachstum gegenüber der letzten Jahre geringer ausfällt (hier gehts zur Quelle).

Ohne jetzt hier noch weiter ins Detail zu gehen – aber glauben wir wirklich dass es der richtige Ansatz ist, Fliegen zu verteufeln?

Flugscham ist allgegenwärtig

Es gibt Menschen, die haben beschlossen nie wieder ein Flugzeug zu benutzen. Nennen wir diese Menschen mal Typ A. Dann gibt es die Menschen, die nur noch dann fliegen wenn es absolut nicht anders möglich ist oder die deshalb fliegen, um an ihrem Zielort etwas Gutes zu tun – Typ B. Und zu guter Letzt gibt es noch diejenigen, denen das alles ziemlich egal ist – denn sie fliegen für einen Marathon nach New York oder für ein Meeting von Berlin nach Frankfurt – Typ C.

Ach ja, und dann gibt es noch den Typ Mensch, der nichts besseres zu tun hat als Typ A, B und C zu kritisieren. Das ist Typ Ü – “Ü” wie “überflüssig”.

Fazit Flugscham

Ich finde: JA, man kann fliegen. Und man sollte vielleicht fliegen – schon alleine deshalb weil man sonst weit entfernte Ziele (und damit auch andere Kulturen, Menschen, Orte, …) nicht besuchen könnte. Auch sind die Menschen, die an solchen Orten leben, auf uns als Touristen oder Reisende angewiesen um Ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können (auch wenn das grundsätzlich ein Strukturproblem ist). Und nicht zuletzt bedeutet Fliegen für viele Menschen auch Freiheit. Oder wollen wir hart arbeitenden Menschen nun “verbieten”, ihren Jahresurlaub meinetwegen in der Karibik oder auf den Kanaren madig zu machen. Möchten wir wirklich Umweltschützerinnen und Umweltschützern vorwerfen dass sie fliegen? Wir finden: DAS trifft die FALSCHEN.

Auf die nicht unbedingt notwendigen Flüge hingegen – vor allem auf Kurzstrecken (es gibt ja auch Züge) und auf eine Vielzahl von Business-Flügen – sollten wir immer wenn möglich verzichten.

Titelfoto: Pixabay

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