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EU-Strategie für weniger Plastikmüll – viel Lärm um nichts

Das EU Plastikmüll Reduzierung Richtlinien Recycling Programm 2030.

Liebe EU. Danke für die EU-Strategie für weniger Plastikmüll, für die innovativen Ideen und Richtlinien für weniger Plastikmüll, die dann vielleicht mal irgendwann umgesetzt werden. Bleibt zu hoffen dass sich möglichst viele dran halten und man wirklich etwas damit erreicht. Wir machen derweil weiter mit der Arbeit an der Basis und schicken Euch dann die Rechnungen für die Rückenbehandlungen. Diese benötigen wir weil wir uns so oft nach den ganzen Tüten und Flaschen bücken müssen. Bis 2030 sind es noch 12 Jahre und viele von den Leuten der EU, die jetzt diese Ideen haben, sind dann bereits in Rente.

Dabei wäre es ganz einfach, das Problem in den Griff zu bekommen. Verbietet Mikroplastik in Kosmetik, Plastiktüten, in Plastik eingepacktes Obst und Gemüse und bringt die größten Umweltverschmutzer der Welt (Nestlé, Coca Cola, Unilever, Starbucks, McDonalds, Burger King, KFC, …) dazu, sich Ihrer Verantwortung bewusst zu werden. Sie müssen endlich weniger Plastikmüll produzieren. Denn ohne diese ganzen Produkte, die ja auch ins Nicht-EU Ausland exportiert werden, könnten alle Säuberungsprojekte dieser Erde das Problem Plastikmüll mittelfristig halbwegs in den Griff bekommen. Richtlinien helfen da eher weniger. Und es ist ja auch nicht so als würde das nicht gehen. Andere Länder können das ja auch. Die haben allerdings nicht so eine starke Kunststofflobby wie die EU.

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Hintergrundwissen – was ist eine EU-Richtlinie?

Das sollte man wissen, um den Rest dieses Artikels und auch die Punkte der EU korrekt einordnen zu können.
Zum Thema EU-Richtlinie findet man im Internet u.a. folgende Information (Wikipedia): “Im Gegensatz zu EU-Verordnungen sind EU-Richtlinien nicht unmittelbar wirksam und verbindlich. Sondern sie müssen durch nationale Rechtsakte umgesetzt werden, um wirksam zu werden. Es bleibt den einzelnen Mitgliedstaaten überlassen, wie sie die Richtlinien umsetzen. Sie haben also bei der Umsetzung der Richtlinie einen gewissen Spielraum. Wenn die Richtlinie allerdings die Einführung konkreter Berechtigungen oder Verpflichtungen verlangt, muss das nationalstaatliche Recht, das ihrer Umsetzung dient, entsprechend konkrete Berechtigungen oder Verpflichtungen begründen. Nach deutschem Recht ist deswegen zur Umsetzung in der Regel ein förmliches Gesetz oder eine Verordnung erforderlich.

Unsere Meinung zu den einzelnen Punkten der EU-Strategie für weniger Plastikmüll

Okay, kommen wir zu den Fakten. Jetzt kommt auch noch die EU um die Ecke und präsentiert eine ganz eigene Strategie, was gegen die zunehmende Plastikvermüllung getan werden soll. Wie sie das Problem mit all dem Plastikmüll lösen möchte. Bis 2030. Die Medien sind voll davon. Aber gefühlt schreibt der Spiegel vom Stern ab und orientiert sich an der Welt. Die fragen die Menschen von der Bild und zitieren die Süddeutsche Zeitung. Am Ende schreiben alle das Gleiche. Wir versuchen deshalb, das alles mal realistisch korrekt einzuordnen.

Grundsätzlich ist es ohne Frage toll, wenn eine so tolle “Einrichtung” wie die EU endlich aufwacht und etwas tun will. Nur schade dass meist erst dann passiert wenn China sagt, dass sie unseren Europa-Müll nicht mehr kaufen möchte. Und schade dass wir allein bereits durch unser politisches System immer gefühlte Ewigkeiten brauchen, um sowas umzusetzen. Doch wie sinnvoll ist das alles? Lösen die Ideen der EU das eigentliche Problem? Und was ist eigentlich eine EU-Richtlinie? Was halten wir von Ozeankind® davon? Reicht das? Und ist das überhaupt der richtige Ansatz? Macht man das alles für den Ozean oder für die Recycling-Industrie? Getreu dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn? Oder einfach nur für das eigene gute Gewissen?

Die wichtigsten Punkte der EU-Strategie für weniger Plastikmüll

Wir halten fest – in Ozeankind®-Sprache: Eine EU-Richtlinie ist nicht direkt wirksam und verpflichtend und so ein Land wie Deutschland muss das erst noch umsetzen. Das bedeutet Deutschland braucht eigene Gesetze oder Verordnungen dafür, um das dann auch zu machen.
Na ja, bei unserer starken Kunststoff-Lobby ist das bestimmt auch kein Problem, oder? Geht bestimmt voll schnell.

Okay, kommen wir zu den einzelnen Punkten.
Da sagt der Kommissionsvizepräsident Frank Timmermans (was eine Berufsbezeichnung): “Wir müssen verhindern, dass Plastik in unser Wasser, unser Essen und sogar unsere Körper kommt”. Echt? Super Idee. Blitzmerker! Und schon bis 2030 wollen sie das alles umgesetzt haben. Problematisch könnte sein, dass vermutlich alle Menschen, die jetzt in die Formulierung der Richtlinien involviert sind, bis dahin schon lange nicht mehr im Amt sind. Das ist, wie wir vermuten, auch ein Grund dafür, warum man es nicht sofort umsetzt. Sondern eben erst 2030. Warum sollte man auch einfach mal sofort machen? Nicht dass es nachher noch hilft. Und soviel Zeit hat der Ozean auch nicht.

Schauen wir uns den Plan der EU doch mal genauer an, nachzulesen im englischen Original auf der Seite der EU.

Punkt 1: Recycling zu einem lohnenden Geschäft machen

“Durch neue Vorschriften für Verpackungen sollen die Recyclingfähigkeit von auf dem Markt verwendeten Kunststoffen verbessert und die Nachfrage nach recyceltem Kunststoff erhöht werden. Da mehr Kunststoff gesammelt wird, sollten bessere, größere Recyclinganlagen eingerichtet werden. Daneben sollte ein besseres, standardisiertes System für die getrennte Sammlung und Sortierung von Abfällen in der gesamten EU geschaffen werden. Dies wird rund 100 EUR pro gesammelter Tonne einsparen. Außerdem wird ein größerer Mehrwert für eine wettbewerbs- und widerstandsfähigere Kunststoffindustrie generiert.”

Gut. Eine Frage die wir uns schon immer stellen – wo genau hilft es dem Ozean, wenn Kunststoffe besser industriell recyclebar sind? Dem Ozean ist es völlig egal ob recyclebar oder nicht – der Ozean hat weder eine Verbrennungsanlage noch kann er Müll sortieren. Bio-Plastik besteht aus was? Auch aus Plastik. Wir brauchen Verpackungen, die entweder gar nicht existieren oder organisch und IM WASSER biologisch abbaubar sind. Stoffe, die nicht giftig sind und auch nicht aus Erdöl bestehen.

Sicher hilft es, wenn Verpackungen besser recycelt werden können, denn das spart Erdöl und es wird vielleicht weniger neues Plastik produziert. Aber bedeutet das auch wirklich weniger Müll? Oder haben wir die gleiche Menge Müll, weil wir Teile unseres Mülls nicht mehr nach Asien verkaufen können und so am Ende auf der gleichen Menge sitzen bleiben? Bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall stellen wir fest, dass wir in Asien oder Afrika eine ganze Menge europäischer Produkte kaufen können. Und eine Menge dieser Verpackungen am Strand einsammeln. Warum? Weil viele Länder eben keine Recyclinganlagen haben. Denn einmal im Meer macht es leider keinen Unterschied.

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Punkt 2: Kunststoffabfälle eindämmen

“Die EU-Rechtsvorschriften haben bereits in mehreren Mitgliedstaaten zu einer deutlichen Verringerung der Verwendung von Kunststofftragetaschen geführt. Die neuen Pläne richten sich nun auf andere Einwegkunststoffe sowie Fanggeräte. Nationale Sensibilisierungskampagnen werden unterstützt, und auf Grundlage einer Konsultation der Interessenträger und wissenschaftlicher Erkenntnisse wird über den Geltungsbereich neuer EU-weiter Vorschriften entschieden, die im Jahr 2018 vorgeschlagen werden sollen. Die Kommission wird auch Maßnahmen ergreifen, um die Verwendung von Mikroplastik in Produkten zu beschränken, und Logos für biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe festlegen.”

Die europäische Gesetzgebung hat bereits zu einer deutlichen Reduzierung der Plastiktüten geführt. In einigen Mitgliedsstaaten. Sagen sie. Sehen wir nicht oder beziehungsweise scheint der Effekt nicht wirklich da zu sein. Die Plastikmüllmenge in der EU wird doch immer größer, trotz Sammeln, Trennen und Recycling. In Deutschland wuchs sie um 33 Prozent, um immerhin 12 Prozent in der gesamten EU (2005 – 2015). Quelle: ZDF

Klar, in Deutschland nutzen wir weniger Tüten – an der Kasse. Aber was ist mit den anderen Plastiktüten? Reduzierung von Plastiktüten ist natürlich gut, aber das muss halt auch auf die Hersteller ausgeweitet werden, die mit unsinnigen Verpackungen für die Plastikflut in Europa (und auch im Rest der Welt, denn schließlich exportiert die EU Unmengen von Produkten, die in Plastik eingepackt sind).

Man möchte den Gebrauch von Mikroplastik in Produkten einschränken. Wenn wir das schon lesen – “man möchte Anstalten machen und Maßeinheiten entwickeln, in Zukunft etwas einzuschränken”. Wie möchte man es denn einschränken, muss man das also demnächst auf den Plastikflaschen erkennen können, so nach dem Motto “enthält Spuren von Mikroplastik”? Oder darf man nur noch eine bestimmte kleine Prozentzahl erlauben? Das wäre zwar mal ein erster Schritt und ganz sicher würden sich manche Vebraucher davon abschrecken lassen. Gut wäre es aber gewesen wenn man es den Herstellern einfach direkt verbieten würde. Dürft ihr nicht mehr, fertig.

Punkt 3: Die Vermüllung unserer Meere aufhalten

“Mit neuen Vorschriften über Hafenauffangeinrichtungen werden Meeresabfälle aus Quellen auf See bekämpft. Maßnahmen sollen sicherstellen, dass auf Schiffen anfallende oder auf See gesammelte Abfälle nicht zurückgelassen, sondern an Land zurückgebracht und dort ordnungsgemäß bewirtschaftet werden. Eingeschlossen sind auch Maßnahmen zur Verringerung des Verwaltungsaufwands für Häfen, Schiffe und die zuständigen Behörden.”

Toll. Solange die Entsorgung auf See nicht gestoppt werden kann (und das kann sie nicht, wie will man das kontrollieren), wird das wohl nicht viel ändern. Klar, wenn Schiffe aus Übersee in Deutschland anlanden, kann eine halbwegs korrekte Verwertung zumindest in der Theorie sichergestellt werden. Was aber, wenn die Tonnen der Schiffe nach mehreren Wochen auf See leer sind? Wie das beispielsweise im Hamburger Hafen der Fall ist (hier können wir Euch diese kurze Doku empfehlen).

Ozeanriesen produzieren Müll

Weil die Entsorgung im Hafen Geld kostet und auch von Hafen zu Hafen verschieden ist. Und weil eine Entsorgung auf See umsonst ist, wenn man nicht erwischt wird. Zudem kommen 70% des Plastikmülls vom Land – 30% haben Ihren Ursprung auf See.”

Punkt 4: Investitionen und Innovationen mobilisieren

Die Kommission wird nationalen Behörden und europäischen Unternehmen Richtlinien dazu an die Hand geben, wie Kunststoffabfälle an der Quelle so gering wie möglich gehalten werden können.

 

Innovation wird stärker unterstützt: zusätzliche 100 Mio. EUR werden zur Finanzierung der Entwicklung intelligenterer und recyclingfähigerer Kunststoffe, effizienterer Recyclingverfahren und zur Beseitigung gefährlicher Stoffe und Kontaminanten aus recycelten Kunststoffen bereitgestellt.

Richtlinien … bitte einmal kurz zurück zum Anfang des Artikels … “Hintergrundwissen – was ist eine EU-Richtlinie?” Gute Idee, 100 Millionen EUR erscheinen uns zudem ein bisschen wenig für das größte Problem der aktuellen Zeit. Unternehmen werden nur dann reagieren und vor allem handeln, wenn es Ihnen ans Geld geht. Und nur dann. Leider.

Punkt 5: einen Wandel in der ganzen Welt bewirken

“Die Europäische Union erledigt ihre eigenen Hausaufgaben, arbeitet aber auch mit Partnern aus der ganzen Welt zusammen, um globale Lösungen zu finden und internationale Standards zu entwickeln. Wir werden auch weiterhin andere unterstützen, wie z. B. bei der Säuberung des Flusses Ganga in Indien.”

Danke, da fällt uns nichts mehr zu ein. Einen Sch… macht die Europäische Union. Es tut uns leid. Fast nichts. Und das was Sie machen, erleichtert unsere Arbeit nicht merklich. Und wenn Sie etwas machen, dann dauert das alles viel zu lange.

 

 

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