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Dosen-Tunfisch – Bonito ist kein Tunfisch

Wir wollen Tunfisch – und bekommen Bonito.

Tunfisch-Filets in eigenem Saft oder Tunfisch in Sonnenblumen-Öl. Tunfisch Naturale ohne Öl und wie sie alle heißen. Hört sich gut an, findest Du nicht? Das Problem ist – in Wirklichkeit müssten all diese Produkte anders heißen, wenn denn auch das drin sein soll, was draufsteht.

“Skipjack-Filets in eigenem Saft mit falsch deklariertem echtem Beifang-Tunfisch” oder “Tunfischartiger Fisch Naturale mit Fleisch-Anteilen des vom Aussterben bedrohten Gelbflossen-Tunfisch” – das wären bessere Namen. Lassen sich aber vermutlich schlechter verkaufen.

Aber der Reihe nach. Wir möchten Dich in diesem kleinen Beitrag auf zwei Probleme hinweisen:

Problem 1: Ein Bonito ist kein Tunfisch

“Thunnus” ist der lateinische Begriff für … Tunfisch. Und die wichtigsten und bekanntesten Tunfisch-Arten heißen deshalb auch …

  • Thunnus thynnus (nördlicher Blauflossen-Tunfisch)
  • Thunnus maccoyii (südlicher Blauflossen-Tunfisch)
  • Thunnus obesus (Großaugen-Tunfisch)
  • Thunnus albacares (Gelbflossen-Tunfisch)
  • Thunnus alalunga (Weißer Tunfisch)

Ich war heute mal bei in einem deutschen Supermarkt und habe mir den dort angebotenen “Tunfisch” in Dosen und die Tiefkühl-Pizza “Tonno” von Dr. Oetker genauer angeschaut. Keinen der o.a. Namen habe ich auf den Produkten gefunden, vielmehr steht überall: Katsuwonus pelamis.

Rio Mare Tunfisch und Skipjack

Seltsam. Doch was im Himmel ist “Katsuwonus pelamis”? Kurz mal Wikipedia gefragt – und die Jungs und Mädels von Wikipedia verraten mir, dass das der lateinische Name für einen Fisch namens “Echter Bonito” oder engl. “Skipjack” ist.

Der Echte Bonito ist die wirtschaftlich bedeutendste als „Tunfisch“ vermarktete Art, obwohl er selbst zoologisch nicht zur Gattung der Thunfische (Thunnus) gehört, sondern deren nächster Verwandter ist. (Quelle: Wikipedia)

Um es kurz zu fassen, Skipjack oder Bonito ist zoologisch gesehen gar KEIN TUNFISCH. Man kauft also Bonito und keinen Tunfisch. Obwohl Tunfisch drauf steht.
Noch mal in aller Deutlichkeit … vorne steht also groß Tunfisch drauf und hinten gibt man dann so ganz nebenbei zu, dass das Produkt gar keinen Tunfisch, sondern ausschließlich Bonito enthält. Aus meiner Sicht eine Frechheit – findest Du nicht?

Wir werden also schlicht und ergreifend veräppelt. Gut zu wissen – wenn man es denn weiß! Trotzdem eine Täuschung – wenn auch vermeintlich mit einem kleinen Vorteil: wenn man ausschließlich den noch nicht vom Aussterben bedrohten Bonito verwendet, könnten sich die echten Tunfische erholen, der Bestand könnte sich ein wenig regenerieren. Wenn es denn wenigstens so wäre …

Problem 2: 100% Bonito heisst leider auch nicht “garantiert ohne Tunfisch”

Der Bonito lebt in einer zum aktuellen Zeitpunkt noch recht großen Anzahl in fast allen Weltmeeren, also u.a. auch genau da, wo die stark vom Aussterben bedrohten, echten Tunfische leben. Auf den Verpackungen und Dosen kann man lesen, dass die Bonitos mit Schleppnetzen, Ringwadennetzen oder Fischsammlern gefangen werden.

Das eigentlich Problem ist hier, dass die Fischtrawler natürlich nicht bestimmen können, ob nicht doch echte Tunfische (oder sonstige Meereslebewesen) an den Leinen hängen oder in den Netzen auf Ihren letzten Atemzug warten. Und wenn sie das tun, dann glaubst Du doch nicht dass diese Tiere, egal ob tot oder lebendig, wieder ins Meer entlassen werden …!?!

Tunfisch

Auf der Greenpeace-Seite kann man lesen (Quelle):

In Thunfischdosen, angeblich mit Skipjack gefüllt, findet sich häufig auch Fleisch von überfischten Thunfischarten. Der Inhalt dieser Konserven ist aus verschiedenen Arten zusammengesetzt und falsch gekennzeichnet – ein Vorgehen, das in der EU nicht zulässig ist. Auch der deutsche Marktführer Saupiquet, der in fast jedem Supermarkt erhältlich ist, beteiligt sich daran.

Insgesamt ließ Greenpeace Dosen 60 verschiedener Marken darauf untersuchen, welche Arten von Thunfisch sie enthielten. Die Ware stammte aus Australien, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kanada, Neuseeland, den Niederlanden, Österreich, Schweiz, Spanien und USA. Je Land wurden mindestens fünf Marken untersucht.

Ergebnis der DNA-Analysen:

  • In Deutschland enthielten Dosen der Marken Saupiquet und La Miranda zwei Arten (Echter Bonito/Katsewonus pelamis und Kleiner Thun/ Euthynnus spp.).
  • In der deutschen Edeka-Eigenmarke Schlemmerküche fand sich Nördlicher Blauflossenthun (auch Langschwanzthun, Thunnus tonggol). Diese Art ist kaum erforscht, daher ist nichts über die Größe der Bestände bekannt. Dennoch ist die Befischung nicht geregelt.
  • Die Marke Nixe von Lidl wurde in den Niederlanden und in Großbritannien getestet. In den Niederlanden fand sich Großaugenthun darin, obwohl Echter Bonito auf der Verpackung stand. In Großbritannien enthielt die Dose neben Echtem Bonito auch Kleinen Thun.
  • Die Proben aus Spanien (Calvo und Campos) und Griechenland (Toni) enthielten sogar Gelbflossen- und Großaugenthunfisch.

Interessant. Die Hersteller … also entweder Ihr schreibt drauf was wirklich drin ist und schaut mal, ob sich Eure Absatzzahlen irgendwie ändern … oder ihr lasst Euch was anderes einfallen, um Geld zu verdienen. Aber A anpreisen, heimlich zugeben das es sich in Wahrheit um 100% B handelt um dann heimlich doch illegal gefangenes A beizumischen, ist eine Frechheit.

Was würden wir uns wünschen?

Schritt 1 wäre, dass die Hersteller draufschreiben was drin ist. Damit jeder Verbraucher genau weiss, was er kauft und isst.

In einem zweiten Schritt sollten allerdings alle Tunfisch- oder Bonitoprodukte da bleiben wo sie sind – im Regal.

Und wenn die da länger liegen, ergibt sich vielleicht eines Tages Schritt 3: die Fische bleiben wo sie hingehören – im Meer.

Was könntest Du tun?

Unabhängig von den Herstellern, Du solltest generell weder Tunfisch- noch Bonito-Produkte kaufen, denn die verschiedenen Tunfisch-Arten sind stark vom Aussterben bedroht – und auch beim Fangen von Bonito werden halt leider Tunfische “aus Versehen” mitgefangen und -verarbeitet.

Ersetze also z.B. Deine Pizza Tonno durch eine Pizza mit einem der 784.281 anderen Pizzabeläge. Es gibt übrigens genügend pflanzliche Produkte, die ähnliche Nährwerte aufweisen wie Tunfisch (oder eben Bonito) – und ich möchte wetten dass Du bei manchen Produkte nicht einmal merken würdest, dass es eben kein Tunfisch und kein Bonito ist – sondern pflanzlich.

 

 

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